23. Juli 2011

Habe ich was verpasst?


Ha ha said the clown
as the king lost the crown
he's the knight being tight on romance
ha ha said the clown
is it bringing you down
that you've lost your chance
Feeling low got to go
see a show in town
hear the jokes have a smoke
and a laugh at the clown
...

Das erste Mal seit Jahren waren wir am Samstag in der Schule, um einen jener mystifizierten Uploads (Montagmorgen, 8.00 Uhr! Manchmal mahnt das Telefon allerdings schon früher an!) vorzubereiten. Es gibt nichts Höheres, wahrscheinlich auch nicht Schöneres und Reineres, als die Uploads: Die Krönung des vergangenen Schuljahrs und die Inauguration des kommenden.
Was das ist? Naja, seit Ostern tragen wir jede Stunde, jeden Kurs, jede Lehrkraft, die Schülerzahlen, die Kursstärken, die Bekenntnisse und den Migrationshintergrund in diverse Matrixen ein und laden alles in ein Internetportal oder in diverse Exceldateien, manchmal in die revidierte Version 3.
Nun sind die Programme, die zur Verfügung stehen, nicht die stabilsten, wir zudem keine IT-Experten, sondern Lehrer. Es passiert schon mal, dass die eingetragenen Zahlen beim Upload und dem irgendwann darauf folgenden Download sich verändern oder sogar verloren gehen. Das ist dann natürlich unser Fehler, selbst wenn die Eingaben richtig waren: Wir sind inzwischen dazu übergegangen, von allem Ausdrucke anzufertigen, um uns im Falle der Fälle beruhigen zu können: Wir sehen auf den Ausdruck und klopfen uns auf die Schulter.
Aber darauf wollte ich nicht hinaus. Ich bitte die Abschweifung zu entschuldigen.
Vor der heutigen eigentlichen Arbeit sah ich noch schnell das Postfach der bayerischen Schulen durch (siehe "Wir machen keinen Fehler!").
Eine Mail erregte dabei meine Aufmerksamkeit, und nach einiger Prozedur las ich dann, dass bezüglich des "Ausbaus der Bayerischen Mittelschule" in den Jahrgangsstufen 5 und 6 "durch die Bereitstellung zusätzlicher Lehrerstunden ein kosequentes und durchgängiges Förderkonzept verwirklicht" wird. Soll heißen: Es gibt die 30. Stunde in den Jahrgangsstufen 5 und 6, und in der 5. soll es zusätzlich heuer schon die 31. , nämlich die Intensivierungsstunde geben, so wie man sie vom Gymnasium kennt.. Nur, ich habe sie im Stundenbudget nicht gefunden! Und im Schuljahr 2011/12 soll sie bereits in Klasse 6 eingeführt werden!
Hm, schön wäre das schon. Übungsstunden oder wie sie noch heißen mögen, können wir ohne Ende brauchen. Wir spüren langsam, wie uns das Wasser im Mund vor lauter Neuerungen.
Leider sieht die bisherige Realität ganz anders aus. Wir saßen zwei Nachmittage, überlegten, kürzten Stunden, um auf den vorgeschriebenen Faktor von 1,801 Lehrerstunden / Schüler zu kommen. Keine Spur einer Intensivierungsstunde war danach übrig. Ethikgruppen und Sportklassen sind 30 Schüler stark. Ja, ich weiß, so große Gruppen hatte ich selbst vor 30 Jahren auch. In meiner Prüfungsklasse waren beispielsweise 36 Schüler der 9. Klasse, die aber nicht so anstrengend waren wie 20 elfjahrige Kinder. Am Alter kann`s ja nun nicht unbedingt liegen, da unsere 30jährigen auch oft ganz blass um die Nase im Lehrerzimmer auftauchen.
Denn: Wie hat sich die Gesellschaft, wie haben sich die Schüler verändert? Meine damaligen Hauptschüler würden heute mehr oder weniger erfolgreich Realschule und Gymnasium bevölkern. Kein Wort von Benimmkursen, Grundtugenden wie Pünktlichkeit, usw. Der geneigte Leser weiß schon, was ich meine. Legasthenie, ADHS, Verhaltensstörungen, alleinerziehende Eltern, SchülerInnen in Wohngruppen ... waren damals Einzelerscheinungen, während heutzutage behütete Schüler, die eine intakte Familie mit Opa und Oma haben, die Ausnahme sind.
Wir sind ja unverdrossen, unser pädagogischer Eros ist ungebrochen, die Wut blüht.
Ich werde weiter die Intensivierungsstunde suchen. Vielleicht werde ich fündig.

21. Juli 2011

Morgen sind sie weg, wieder einmal

After School is over, you're playing in the park
Don't be out too late, don't let it get too dark
They tell you not to hang around and learn what life's about
And grow up just like them - won't you let it work it out
- and you're full of doubt
(a long instrumental break follows)
Don't do this and don't do that
What are they trying to do? Make a good boy of you
Do they know where it's at?
Don't criticize, they're old and wise
Do as they tell you to
Don't want the devil to
Come and put out your eyes
Maybe I'm mistaken expecting you to fight
Or maybe I'm just crazy, I don't know wrong from right
But while I am still living, I've just got this to say
It's always up to you, if you want to be that
want to see that
want to see it that way
- you're coming along!

Noch einen Tag sind sie unsere Schüler, dann gehören sie auf einen Schlag zu den Ehemaligen.
Was ändert sich dann?
Dann ist der Hauptschulgang nicht mehr ihre Heimat.
Dann haben wir erst mal keinen Schüler mehr, der vergnügt grinsend sich unter dem Pult versteckt (mit 15, wohlgemerkt), keinen, der auf der Feuertreppe schwindelfrei herumturnt und durch das Oberlicht in den Klassenraum schaut.
Erst mal keine 15 Mädchen aus den beiden Klassen, die mich, wo immer sie mich trafen, umbrüllten mit „Guten Morgen, headmaster!“
Es fehlt einer, der sich gerne als Realschulpraktikant ausgab, als er einmal eine Strafwoche an der Nachbarschule schieben musste.
Et je ne peux plus parler Français avec une jeune fille. Ça me manquerait, Richala.
Ja, einer wollte mit mir sogar bis zuletzt darüber diskutieren, warum der BMW X5M besser ist als mein 14 Jahre alter Twingo. Ich blieb störrisch und unbelehrbar.
Und beinahe hätte ich fast mein vier Jahre altes HTC-Handy entsorgt, weil einer meiner Informatikschüler wöchentlich Gehirnwäsche mit mir betrieben hatte; fast hätte ich mir das neueste Desire mit 237 Apps und eingebautem Navi gekauft.
Ich lernte auch die Zeichensprache: (vormachen)
Vielleicht wissen manche, was das bedeutet, ich jedenfalls werde es nicht vergessen.
Es gab auch eine, die seit der 5. Klasse immer für gute Laune im Schulhaus sorgte, wo immer sie sich gerade aufhielt.
Zwei sind anwesend, und da freue ich mich besonders darüber, die nach Wochen des Exils heute wieder zu uns gehören, und die auch den Frieden mit einem anderen Schüler wieder hergestellt haben.
Ach ja, da fällt mir noch einer ein, der drei Jahre lang zu mir sagte: „Warum immer ich?" Und dem ich die Antwort schuldig blieb. Wir grinsten uns an, und jeder wusste, was gemeint war.
Die Rede soll ja kurz bleiben. Ich könnte jedem/jeder etwas Persönliches sagen.
Ihr wart sehr menschlich, wenn wir miteinander zu tun hatten.
Ihr habt es geschafft.
Mit Hilfe von:
euren Klassenlehrerinnen und den anderen Lehrerinnen und Lehrern
Frau W
Herrn G
euren Lesepatinnen und Mrs Wo und Mrs We, den Englischladies
euren Berufspatinnen
den anderen zahlreichen Ehrenamtlichen, die in die Schule gekommen sind, einmal oder öfter
Frau H von der Arbeitsagentur
Frau K, die mit euch über alle Maßen arbeitete und für manche noch weiter arbeiten wird
mit eurem Elternbeirat, der im Hintergrund leise die Schule unterstützte
mit Hilfe von Herrn H und Frau B, die unzählige Gespräche mit euch führten.
Ihr habt Hilfe angenommen. Das war gut so.
Go for the goal!

19. Juli 2011

19.07.2001 - A Day Like Any Other

7.00 Uhr
Essensreste von gestern entsorgt
frische Blumen auf den Tresen gestellt, alte verblühte weggeworfen
Mails abgerufen und die dringendsten beantwortet
Kaffee geholt
Tag mit E vorbesprochen
7.45 Uhr
ab in die -b für die letzten zwei Stunden PCB in diesem Schuljahr
Medienwagen geholt für 1minütigen Zeitlupenfilm über das Fliegen eines Sperlings
Klasse war  gutwillig, Unterricht gut gelaufen, aber stinklangweiliger Eintrag
Jahrespraktikantinnen verabschiedet, zwei ganz ganz starke Mädels, schade!
9.35 Uhr
zurück ins Büro, unterwegs verschiedentlich aufgehalten
dann zur Aufsicht beim externen Hauptschulabschluss
dort überflüssig, weil Kollege G schon dabei
auf dem Weg ins Büro die externen Raucher vor der Schule in die Klassenzimmer gescheucht
"Wir haben aber noch Pause!"
10.00 Uhr
Telefonat mit Stadtjugendamt
die 9. Schulhausbegehung ist geplant, diesmal wegen beengter Räumlichkeiten der Schulsozialarbeit der Grundschule
wenn es denn der Raumvermehrung dient,  dann gerne - Begehung verschoben auf September
Telefonat mit Frau K wegen interkultureller Fortbildung im Herbst: neue Termine vereinbart
Besprechung mit und Hospitationen von den Fortbildnerinnen für September geplant
10.30 Uhr
Zeugnisse der 9. Klassen und der Externen gelesen und unterschrieben, externe Zeugnisse gesiegelt
Telefonat mit Mütterzentrum wegen Lernförderung und neuen Räumen? Welche?
Telefonat mit GmS wegen Kooperation im neuen Schuljahr und Philosophie für Ganztagesklassen
wir reden nächste Woche nochmal miteinander
11.15 Uhr
drei KollegInnen beraten wegen kleinerer Probleme
Telefonat mit Landeskirche bezüglich Religionsstunden
wir telefonieren nächste Woche noch einmal miteinander


 11.30 Uhr
Besuch von und Besprechung mit den JBs
ich schreie zum Fenster hinaus, nein, hinunter, zur Schulweghelferin, ob sie mir zwei USB-Mikroskope besorgen kann
Telefonat mit Spiellandschaft Stadt wegen möglicher Kooperation
auch wir reden nächste Woche miteinander
wer trommelt bei der Mütterzentrumsfeier? Sollen wir das Trommeln zur Schulveranstaltung erklären? Ich werde morgen nochmal mit den Kids reden
Kollegin da wegen verschmierter Toilettentüren bei den Mädchen
ich hole mir die Verdächtigte
Verdacht bestätigt sich
ich gehe mit Graffititüchern und zwei Mädchen hin, damit sie alles wieder säubern
damit erledigt
12.00 Uhr
weiter mit den Englischnachweisen  für Interne und Externe
wer hat das Fischfutter gestern in das Aquarium der -b geschüttet? Es muss vollständig gereinigt werden
halt, da: der Zeugnisdrucker zickt
Austausch mit meinem unbenutzten Drucker, doch woher bekomme ich den Druckertreiber für den Standalone-Rechner?
der Download dauert dauert dauert, ist fast fertig, da fährt der Rechner runter und bootet neu
super das passiert uns immer wieder
13.00 Uhr
mittlerweile - Frau P geht, was soll sie auch tun, wenn die Hardware und die Software spinnen
Frau E, die Schulweghelferin kommt und sagt, sie habe zwei USB-Mikroskope bei A reservieren lassen und bringe sie morgen nachmittag vorbei - super
der zweite Download dauert noch viel länger - 20 Minuten
ich verzichte - ich machs daheim auf den Stick und bring morgen den Treiber mit - ich hau ab

12. Juli 2011

Voll der Kitsch

Das verrückte Wetter der letzten Wochen spielte mit: Blauer Himmel, strahlende Sonne, nur die weißen Wolken der Bayernreklame fehlten. Ich durfte als Begleitperson mit der -b nach Schloss Nymphenburg gehen.
8.45 Uhr: Am Treffpunkt waren alle da bis auf zwei Mädchenschlafhauben, die zu langsam waren und deswegen in der Schule in einer anderen Klasse am Unterricht teilnehmen mussten.
Die Kids gut gelaunt, Schreibzeug und Brotzeit dabei. Am Laimer Tor wurden Schreibunterlagen und Arbeitsbögen ausgeteilt und erste Brotzeiten verzehrt. Die Arbeitsgruppen waren eingeteilt, die Amalienburg wurde als erstes erkundet.
"Soo viel Kitsch, aber endsgeil" meinte L.
Geduldig wurde ihm erklärt, dass das alles Rokoko sei. Eindruck machten auch die Toilette, ein erhöhter Thron, und die Waffenschränke und Hundekojen im Saal 1.
Weiter zum Schlosspark.
 
"Sind hier schon die Adligen gegangen?"
"Ja und wann war das?"
Von hinten dann Annäherung an das Schloss.
 
Großen Eindruck machten drinnen die Möbel und die Schönheitengalerie.
N: "Wem gehört das alles?" "Könnte Bill Gates sich das kaufen?" Fast kam Mitleid auf, dass das Haus Wittelsbach nach dem erstenWeltkrieg enteignet worden war. "Sie würden sowas Schönes auch nicht hergeben wollen, oder?"
Auffallend das Interesse, die Disziplin (wenn andere Schulen sich schlecht benehmen, verhalten sich unsere Schüler immer mustergültig und machen uns mit ihrem moralischen Zeigefinger auf die anderen aufmerksam), auffallend die Zeit, die sie sich zum Schauen ließen.
Zum Schluss, nach zwei Stunden, sollten sie noch in Gruppen die Badenburg erkunden.

F und S kamen nicht so weit, blieben an einer Bank hängen und massierten sich die Knöchel. Der Rest aber hielt bei 30° im Schatten tapfer durch und war dann auch relativ pünktlich am Treffpunkt, wieder dem Laimer Tor, nicht ohne jedoch vorher ein paar Mal die Handynummer von Frau P, ihrer Klassenlehrerin, ausprobiert zu haben.
In der S-Bahn waren sie immer noch gut drauf und verwickelten Fahrgäste in Unterhaltungen. Ja, das können sie gut und das tun sie immer wieder gern.
Ein schöner Tag.
Besser als immer nur den Mangel zu verwalten.

10. Juli 2011

Feiern kann man so und so...

Der Saal war wunderbar: Geschnitztes Holz an Decke und Wänden, dazu ringsrum gemalte Bilder des Hochzeitsumzuges von 1475. Draußen Bilderbuchwetter, besonnte Altstadt, Markt am Samstagmorgen.
Ja, es sollten 78 LehrerInnen aus ganz Bayern in Landshut geehrt werden, die sich um die Kooperation zwischen Förderschulen und Regelschulen verdient gemacht haben. "Brückenbauerinnen" wurden sie genannt.
Nun kann man ja Brücken nur bauen, wenn genügend gutes Baumaterial vorhanden ist. Die einfachste Brücke ist die aus Prügeln (gemeint sind hier Äste und kleine Baumstämme; nein, nein, nicht die zwischen die Beine geworfenen) gebaute, die Sümpfe und andere Feuchtgebiete leichter überqueren läßt. Dann gibt es bekanntlich Holzbrücken, Steinbrücken, Stahlbrücken, aufgehängte oder auf Brückenpfeilern sitzende, Betonbrücken, Klappbrücken, Hub- und Drehbrücken usw.
(Für Interessierte: http://de.wikipedia.org/wiki/Brücke)
Je nach Materialressourcen entstehen kleinere Brücken oder riesige moderne Bauwerke.
Da musste ich natürlich darüber nachdenken, welcher Art denn unsere Brücke zur Förderschule ist. Seit mehr als 8 Jahren werden Förderschüler in sog. Kooperationsklassen innerhalb von zwei Jahren in die Hauptschule integriert, mit großem Erfolg: Alle erreichen den Hauptschulabschluss, die meisten sogar den Quali.
Nicht schlecht, stabil gebaut.
Aber da höre ich, dass eine Schule in Schwaben doppelt so viele Kooperationsstunden (=Lehrkraft der Förderschule) bekommt wie wir in Oberbayern.
Wie kommt es dann, dass wir trotzdem so gute Ergebnisse haben? Sollte es wieder einmal daran liegen, dass unsere Lehrerinnen und die Lehrerin der Förderschule mit ganzem Herzblut, mit doppeltem Krafteinsatz arbeiten?
Ich höre auch die offiziellen Vertreter der Politik reden, aus Landshut, vom Bezirk Niederbayern, aus dem KM. Alle loben sich. Kein Wort von den Kürzungen, Schwierigkeiten und Einsparungen in diesem Bereich. Vielleicht sind auch deswegen so viele kirchliche und private Einrichtungen auf der Feier vertreten, weil dort noch andere Bedingungen herrschen?
War  es  nicht so, dass 2006 der Uno-Sonderberichterstatter Muñoz in der BRD von Kindergarten zu Kindergarten reiste, Schulen und Hochschulen besuchte und schlechte Noten austeilte: Allein in der Separation aller Schüler sei Deutschland gut. Das gemeinsame Lernen von behinderten und nichtbehinderten Menschen ist ein Menschenrecht, das umgesetzt werden muss. Bremen übrigens macht das seit 2009: Alle Schulen sollen sich zu inklusiven Schulen entwickeln.

aus dem SPIEGEL vom 21.02.2006, stark gekürzt:
"Uno-Schulinspektor gibt Deutschland schlechte Noten
Zehn Tage lang fuhr Uno-Sonderberichterstatter Muñoz von Kindergarten zu Kindergarten, besuchte Schulen und Hochschulen. Doch was er auf seiner Reise durchs Land der Dichter und Denker erlebte, überzeugte ihn nicht.
Vernor Muñoz Villalobos monierte am deutschen Bildungssystem vor allem, dass es sich nicht am Potential der Kinder orientiert. Im Einzelnen kritisierte er: kostenpflichtige Kindergärten, dass Schüler schon mit zehn Jahren auf verschiedene Schultypen verteilt werden, die mangelnde Integration von Ausländerkindern und den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Negative Folgen habe auch der Föderalismus in der Bildungspolitik, da er zu Unterschieden zwischen den einzelnen Länder führte.
Als Konsequenz seines Besuchs gab der Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung vier vorläufige Empfehlungen. An erster Stelle solle die Bundesregierung ihre Vorbehalte gegen die Uno-Kinderrechtskonvention aufgeben. Als Folge könnten Migranten in Deutschland erst ab 18 Jahren als volljährig gelten und nicht wie derzeit schon ab 16. Auch Flüchtlinge ohne dauerhaftes Bleiberecht könnten dann länger zur Schule gehen.
Ferner müsse der Besuch von Kindergärten kostenlos sein. Auch das sei mit Blick auf die Integration von Ausländerkindern und deren Sprachkenntnisse wichtig, sagte Muñoz. Als dritten Kritikpunkt führte Muñoz an, die Menschenrechtserziehung müsse in allen Schulen und bei der Weiterbildung der Lehrer eine stärkere Rolle spielen.
Viertens dürften Schüler nicht schon nach der vierten Klasse auf die verschiedenen Schulformen verteilt werden. Mit der frühen Auslese nach dem vierten Schuljahr werde das Bildungspotential der Kinder nicht ausgeschöpft, erläuterte Muñoz seine Kritik. "Der Zugang zu Bildung ist ein Menschenrecht", betonte der Inspektor. Die frühe Aufteilung in Deutschland habe aber vor allem negative Konsequenzen für diejenigen, die ohnehin schon Probleme hätten, wie Migrantenkinder und Kinder aus sozial schwachen Familien. Dabei zeigten Untersuchungen, dass bei der Aufteilung auf die verschiedenen Schulformen für 44 Prozent falsche Empfehlungen gegeben werden. "Man hat den Eindruck, dieses Resultat wird vom Schulsystem nahezu aufgezwungen", sagte Muñoz.
Soziale Herkunft bedingt den Bildungserfolg
Eine Schulform-Aufteilung bereits von zehnjährigen Kindern gibt es nur noch in Deutschland und Österreich. In allen anderen Staaten gehen die Kinder länger gemeinsam zur Schule. "Ich habe das Gefühl, dass sich das deutsche Bildungssystem nicht darauf konzentriert, alle einzubeziehen, sondern dass es eher Trennungen schafft", sagte der Uno-Experte. Muñoz wies darauf hin, dass schon der internationale Pisa-Bildungsvergleich für Deutschland einen engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ergeben habe. In der Hauptschule seien Migranten und Arme überrepräsentiert, im Gymnasium hingegen unterrepräsentiert. Hinzu komme, dass 20 Prozent der Hauptschüler ohne Abschluss blieben und die Hälfte der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss keine Lehrstelle fänden.
...
Über Schulstruktur kein Konsens
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) lehnte eine zentralistische Bildungspolitik ab und plädierte für eine Weiterentwicklung der föderalen Struktur. Bund und Länder müssten sich dabei auf gemeinsame Ziele einigen. Auch die Pisa-Studie habe keineswegs gezeigt, dass Länder mit einem solchen System besser abschnitten als andere.
Für die Kultusministerkonferenz wies der Berliner Schulsenator Klaus Böger darauf hin, dass es in den Ländern keinen Konsens über die Schulstruktur gebe. Die KMK habe die Strukturdebatte nach der Pisa-Diskussion ausgeklammert, sich aber auf sieben andere Handlungsfelder geeinigt.
Seine endgültigen Empfehlungen will Muñoz demnächst der Bundesregierung zuleiten. Anschließend werden sie in seinen Abschlussbericht an den Uno-Menschenrechtsausschuss aufgenommen, den er nach ähnlichen Besuchen mehrerer Länder in fast allen Teilen der Welt verfassen wird."

Man hätte natürlich auch sagen können, dass man sich beeilt, wenigstens irgendwo den Forderungen des Herrn Munoz nachzukommen..., aber nein, alles wurde auf das eigene Panier geschrieben.
Schön waren die musikalischen Beiträge, beeindruckend der Vortrag eines Liedes in Gebärdensprache durch den Gebärdenchor eines Instituts für Hörgeschädigte. Alle Anwesenden wissen nun, wie man Hörgeschädigten lauten Beifall spendet. Beinahe anrührend die Percussionsstücke und der Gesang von Schülern einer Behindertenschule und eines Gymnasiums. Die kindliche Freude über den Auftritt auf einer Bühne und der Genuss des brausenden Beifalls war weit in den Saal hinein zu spüren.

6. Juli 2011

"Wir machen keinen Fehler!" (Zitat)

Der dritte Tag der Abschlussprüfungen ist gelaufen.
Englisch war okay, keine Ausrutscher nach unten, die Jahresfortgangsnoten bestätigt oder verbessert. Das hatte sich heuer in der mündlichen Prüfung schon abgezeichnet.
Gestern dann Deutsch. Große Aufregung nach dem Öffnen der versiegelten Kuverts: Der Sachtext ist falsch umgebrochen!
Schnell besetzen die zehnfingerfähigen Kolleginnen PCs und Laptops und fangen an, Text und Fragen untereinander aufzuteilen und abzutippen. Kurz bevor sie fertig sind, merkt Frau H, dass 75 korrigierte Blätter in einem Extrakuvert beiliegen und - Hilfsaktion abgebrochen, entstellter Text raus, neuer eingelegt - ab zur Prüfung.
Kein Hinweis auf den Fehler, kein Anruf, kein roter Aufkleber.
Die rote Karte bekomme ich. Denn:
Im für die Schulen eingerichteten Postfach stand der Hinweis auf den Fehler schon seit Mittwoch vergangener Woche, also 7 Tage lang inklusive Wochenende, nur schaue ich dort höchstens einmal pro Woche hinein. Das hat seinen Grund. Das Verwaltungsnetz ist derart langsam. Anmelden, Zertifikat, Passwort, und warten warten warten. Und dann, statt dass man einen Pdf-Anhang durch Klick öffnen kann, muss dieser erst gespeichert werden und kann dann auf normalem Weg geöffnet werden.
Im Schuljahr geht für diese Warterei gut ein Vormittag drauf, das versuche ich natürlich so weit wie es geht zu reduzieren.
Wie waren doch die alten Zeiten schön: Man bekam einen Anruf, später ein Fax und alles war gegessen. Heute muss ich drei E-Mail-Accounts nachschauen, lesen, entscheiden, löschen oder beantworten. Eine Mail mit einem Anhang von 1MB (ein Bild oder eine kleine PDF-Datei) braucht mindestens eine halbe Minute, bis sie gelesen werden kann und dieselbe Zeit, bis sie gelöscht ist.
Wär das einfach gewesen, hätte da ein roter Aufkleber...
Und heute Mathe.
Diese Prüfung verkommt immer mehr zur Deutschprüfung. Nicht dass wir etwas gegen schwere und komplexe Aufgaben hätten, oh nein, das üben wir das ganze Schuljahr über, aber da unsere Kids erst alles sprachlich erschließen müssen, manchmal auch noch mit dem Wörterbuch arbeiten, wenn sie erst seit wenigen Jahren in Deutschland sind, ist die Zeit von 100 Minuten für diese Unzahl an Aufgaben ein Witz.
Ein pensionierter Hauptschulkollege, der jahrzehntelang mit externen Schülern Prüfungsvorbereitung betrieben hatte, in der Materie äußerst bewandert ist und jetzt sich noch um die Externen kümmert, rechnete für sich, parallel zu den Schülern, und war um 10.10 noch nicht mit den 3 Seiten Kopfrechnen und allen 8 Aufgaben fertig. Erst recht nicht die Kids, die im Unterricht die Aufgaben rauf und runter gerechnet haben, Spitzen in Mathe sind und die eine 1 oder 2 als Jahresfortgangsnote beileibe nicht geschenkt bekamen. Auch nicht die Externen von Gymnasium und Realschule, die in Mathe gut sind, aber sprachlich schlecht und deswegen die Prüfung machen.
Das Ganze ist ein sicherer Weg, die Zahl der Loser erheblich zu vergrößern.
Deshalb: