6. Juli 2011

"Wir machen keinen Fehler!" (Zitat)

Der dritte Tag der Abschlussprüfungen ist gelaufen.
Englisch war okay, keine Ausrutscher nach unten, die Jahresfortgangsnoten bestätigt oder verbessert. Das hatte sich heuer in der mündlichen Prüfung schon abgezeichnet.
Gestern dann Deutsch. Große Aufregung nach dem Öffnen der versiegelten Kuverts: Der Sachtext ist falsch umgebrochen!
Schnell besetzen die zehnfingerfähigen Kolleginnen PCs und Laptops und fangen an, Text und Fragen untereinander aufzuteilen und abzutippen. Kurz bevor sie fertig sind, merkt Frau H, dass 75 korrigierte Blätter in einem Extrakuvert beiliegen und - Hilfsaktion abgebrochen, entstellter Text raus, neuer eingelegt - ab zur Prüfung.
Kein Hinweis auf den Fehler, kein Anruf, kein roter Aufkleber.
Die rote Karte bekomme ich. Denn:
Im für die Schulen eingerichteten Postfach stand der Hinweis auf den Fehler schon seit Mittwoch vergangener Woche, also 7 Tage lang inklusive Wochenende, nur schaue ich dort höchstens einmal pro Woche hinein. Das hat seinen Grund. Das Verwaltungsnetz ist derart langsam. Anmelden, Zertifikat, Passwort, und warten warten warten. Und dann, statt dass man einen Pdf-Anhang durch Klick öffnen kann, muss dieser erst gespeichert werden und kann dann auf normalem Weg geöffnet werden.
Im Schuljahr geht für diese Warterei gut ein Vormittag drauf, das versuche ich natürlich so weit wie es geht zu reduzieren.
Wie waren doch die alten Zeiten schön: Man bekam einen Anruf, später ein Fax und alles war gegessen. Heute muss ich drei E-Mail-Accounts nachschauen, lesen, entscheiden, löschen oder beantworten. Eine Mail mit einem Anhang von 1MB (ein Bild oder eine kleine PDF-Datei) braucht mindestens eine halbe Minute, bis sie gelesen werden kann und dieselbe Zeit, bis sie gelöscht ist.
Wär das einfach gewesen, hätte da ein roter Aufkleber...
Und heute Mathe.
Diese Prüfung verkommt immer mehr zur Deutschprüfung. Nicht dass wir etwas gegen schwere und komplexe Aufgaben hätten, oh nein, das üben wir das ganze Schuljahr über, aber da unsere Kids erst alles sprachlich erschließen müssen, manchmal auch noch mit dem Wörterbuch arbeiten, wenn sie erst seit wenigen Jahren in Deutschland sind, ist die Zeit von 100 Minuten für diese Unzahl an Aufgaben ein Witz.
Ein pensionierter Hauptschulkollege, der jahrzehntelang mit externen Schülern Prüfungsvorbereitung betrieben hatte, in der Materie äußerst bewandert ist und jetzt sich noch um die Externen kümmert, rechnete für sich, parallel zu den Schülern, und war um 10.10 noch nicht mit den 3 Seiten Kopfrechnen und allen 8 Aufgaben fertig. Erst recht nicht die Kids, die im Unterricht die Aufgaben rauf und runter gerechnet haben, Spitzen in Mathe sind und die eine 1 oder 2 als Jahresfortgangsnote beileibe nicht geschenkt bekamen. Auch nicht die Externen von Gymnasium und Realschule, die in Mathe gut sind, aber sprachlich schlecht und deswegen die Prüfung machen.
Das Ganze ist ein sicherer Weg, die Zahl der Loser erheblich zu vergrößern.
Deshalb:

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