18. August 2011

Ausgegrenzt, ohne Hoffnung


Viele junge Menschen sind auf dem Video zu sehen.

Am 4. Mai 1979 wurde Margaret Thatcher Premierministerin.
Kurz darauf begannen die Privatisierungen von kommunalen oder staatlichen Unternehmen bis hin zur Trinkwasserversorgung, wurde der Einfluss der Gewerkschaften zurückgedrängt. Das Greater London Council, für die Verwaltung des Großraums London zuständig, wurde entmachtet und dem Innenministerium unterstellt. Durch den einjährigen Bergarbeiterstreik 1984/85 verschuldeten sich viele Kumpel stark, da die Streikkassen schnell leer waren. Die medizinische Versorgung, einst vorbildlich in Europa, wurde stark zurückgefahren. Die Arbeitslosenzahl stieg rapide an. Das Staatsdefizit wurde durch Etatkürzungen in den Bereichen Sozialpolitik, Bildung und Umweltschutz reduziert und eine Kopfsteuer (poll tax), die Familien mit geringem Einkommen überproportional schwer belastete, eingeführt. Steuern für die gut Verdienenden wurden gekürzt.
Der Autor war damals oft in England und könnte sich noch wesentlich breiter und vertiefter dazu äußern.
Jetzt aber zum Thema.
Vor einigen Jahren brannte es in den Pariser Banlieues.
Heuer dann in London, Birmingham, Manchester, Luton und anderen "Brenn"punkten.
Die offiziellen Zahlen zur Jugemdarbeitslosigkeit, gemeint ist die Gruppe der unter 25-Jährigen, liegen in Italien bei einem Viertel, in Griechenland und Großbritannien bei etwa 40 % und in Spanien gar ist die Hälfte dieser jungen Menschen arbeitslos.
Auf dem Video sind Jugendliche zu sehen, wie sie auch bei uns in die Schule gehen könnten. Jugendliche, vermutlich ohne Abschlüsse. Jugendliche, wahrscheinlich ohne Perspektive auf eine Lehrstelle. Jugendliche, deren Eltern arbeitslos und krank sind. Oder Jugendliche, deren Eltern zu viele Stunden bei niedrigen Löhnen arbeiten müssen und die wenig oder keine Zeit für ihre Kinder aufbringen (können). Jugendliche ohne Vor- und Leitbild.
Ausgegrenzt, ohne Hoffnung.
16.000 Polizisten sind keine Lösung. Lösungen müssen diskutiert werden, auch unkonventionelle. Staat und Gesellschaft müssen überlegen, wie diesen jungen Menschen eine Perspektive an die Hand gegeben werden kann.
Als die Situation damals in Paris eskalierte, erklärten mir junge Erwachsene, die viel Zeit hatten, sowas könne schon auch mal bei uns in Deutschland passieren.
Gottseidank sind sie mittlerweile alle in Ausbildungsverhältnissen untergekommen und schon  teilweise selbständig.
Wir als Schule versuchen den SchülerInnen Perspektiven aufzuzeigen. Sie fit machen für ein Leben in der 1. Hälfte des 21. Jahrhunderts. Das klappt aber nur, wenn der Staat uns mit entsprechenden Ressourcen ausstattet.

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