29. September 2011

Rechte Hand - Linke Hand?

Nun denn, es sei so.
Die 9. Hausbegehung steht uns bevor. Schön.
Das Schulreferat möchte sie durchführen. Belegungspläne der Zimmer studieren. Toiletten anschauen: Die Behindertentoiletten sind doch so geräumig. Und: Braucht die Schule auf jedem Gang zwei Jungen- und zwei Mädchenklos? Wie könnte man denn da Unterrichtsraum oder Betreuungsraum oder Chillmöglichkeiten für die Ganztagesschüler schaffen? Uiii, die Gänge sind so schön breit! Ach was, die Feuerpolizei! Soll sich nicht so haben!
Das Gesundheitsamt? Wieso haben die denn etwas dagegen, wenn in der offenen, von allen Gästen und Grundschülern frequentierten Pausenhalle die Schüler des Ganztags essen? Keine Warmhaltemöglichkeit? Kälter essen ist doch eh gesünder. Keine Abspülmöglichkeit? Ein Waschbecken wird doch irgendwo in der Nähe sein. Oder mit dem Wagen könnte das Geschirr zu den weit entfernten Geschirrspülern gefahren werden.
Wir haben alles im Griff. Für alles finden wir eine Lösung, wenn wir nur kreativ genug sind. Überhaupt ist Kreativität schon lange gefragt. Wir ( = die Schule) packen das schon. Ein bisschen enger zusammen rücken. Braucht es wirklich einen Physiksaal? Den könnte man doch zurückbauen zu einem Klassenraum. Was, das kostet so viel wie einen Physiksaal einzurichten? Na und! Dann ist ein Raum mehr gewonnen.
Das Baureferat - ausführende Behörde bei Umbauten oder Erweiterungen - wusste von der neuen Hausbegehung nichts. Wurde aber von uns informiert, bevor die 10. Begehung - dann durch das Baureferat - bevorsteht. Tja, eine Stadtverwaltung, und der eine weiß vom andern nichts.


Nebenbei: Was das die Schule an Zeit kostet! Einen ganzen Vormittag durch das Haus gehen, erklären, zeigen... Nur: Die Räume haben sich durch die Dauerbeschwörung per Begehung noch nicht vermehrt.

19. September 2011

Fachabteilungsmärchen oder Zeit schinden


Es war einmal eine Großstadt, die sich "Schulstadt" nannte und deren Verwaltung sich in Referate gliederte. Das zuständige Referat für Schulen hieß "Referat für Bildung und Sport". Dieses wiederum gliederte sich in so genannte "Fachabteilungen", davon war die Fachabteilung 4 für Grund- und Mittelschulen, die Fachabteilung 5 für Kindertagesstätten und Horte zuständig. So weit war alles gut.
Nun war aber die Situation vor Ort folgende:
Die Grund- und Hauptschule platzten aus allen Nähten, es gab zu wenige Klassenzimmer, Rückzugsräume, Essensplätze für den Ganztag, Zimmer für Veranstaltungen.
Gegenüber der Schule befand sich ein ehemaliger Hort, der Fachabteilung 5 zugehörig.
Die Schule entwickelte natürlich gewisse Begehrlichkeiten für diese Räume. Erst wollte sie die Räume ganz für sich bekommen, merkte aber schnell die Widerstände. Sie lud die Stadtschulrätin (Referentin für Bildung und Sport) zu sich ein, erklärte ihr die Situation und meinte, sie als Vorgesetzte der Fachabteilungen 4 und 5 könne doch für Abhilfe sorgen, ein Machtwort sprechen ...
Daraufhin wurde sofort ein aufwändiger Belegungsplan für diese Horträume erstellt, aber, ein Blick aus dem Fenster der Schule zeigte jeden Tag, dass diese Räume äußerst selten belegt waren.
In den folgenden Jahren fanden dann unentwegt Hausbegehungen in der Schule statt, manchmal zwei pro Schuljahr. Jede Besenkammer wurde inspiziert und umgedreht, Belegungspläne der Zimmer wurden eingehend studiert. Man bekam den Eindruck, es käme etwas Bewegung in die Angelegenheit. Monate, Jahre gingen ins Land. Nichts geschah.
Die Schule wollte dann, realistischer geworden, nur noch eine Teilnutzung für das Mittagessen des Ganztagszuges. Dort in den Räumen war ja eine voll ausgebaute Küche vorhanden. Eine Belegung durch F5 war nach wie vor praktisch nicht vorhanden; ab und zu wanderte eine Gruppe hinein, nur um Flagge zu zeigen.
Der neue Stadtschulrat wurde eingeladen. Der hatte aber nur die Idee, in Klassenzimmern zu essen, die Schüsselchen im Waschbecken zu säubern und im übrigen Unterricht auf den Gängen zu halten.
Seinen eigenen Stall ausmisten - das konnte wollte er ebenso wenig wie seine Vorgängerin.
Die Zahl der Hausbegehungen war bei 8 angelangt.
Lesepaten, Englischpaten, sonstige Ehrenamtliche, Berufspaten - sie waren nicht mehr im Haus unterzubringen.
Es rührte sich nichts.
Nach einer Podiumsdiskussion, auf der die städtische Ganztagesagentur ihre Hilfe bei Problemen anbot, wurde diese sofort um Unterstützung angesprochen, die sie auch (vollmundig?) versprach.
Nichts passierte.
Die Räume gegenüber der Schule standen weiterhin leer, weiterhin bezahlte das Schulreferat eine teure Miete für praktisch keine Nutzung.
Ein Brief flatterte ins (Schul)Haus. Die 9. Begehung wurde angekündigt. Und das Baureferat war kreativ gewesen: Im bisherigen Essensraum sei doch Platz für 40 Schüler, da ja jeder 1,3 Quadratmeter zur Verfügung habe, Gänge eingerechnet, 13 Quadratmeter für die Essensausgabe seien bereits berücksichtigt. Fehlende Tische und Stühle könnten bestellt werden, kleinere Baumaßnahmen könnten sofort durchgeführt werden.
Was wollte die Schule denn noch mehr?
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ...

... wird die 9. Begehung wie das Hornberger Schießen verlaufen.
... wird sich nichts ändern.
... wird die Raumnot sich weiter vergrößern.
... werden die Räume gegenüber weiterhin leer stehen.
... wird Geld in Form von Miete weiterhin verpulvert werden.

Ja, aber der Herr Oberbürgermeister ist doch der oberste Ombudsmann!
Ach was, Herr Maier, der hat ganz andere Pläne!

13. September 2011

BRD wird wieder mal abgewatscht, diesmal von der OECD

Die OECD sagt: "Deutschlands Beitrag zum weltweiten Pool an Talenten schrumpft rapide." Nicht nur, dass die Zahl der Akademiker nicht ausreichend ist, auch die der Techniker und qualifizierten Fachkräfte ist unter dem Niveau wichtiger Konkurrenten Deutschlands auf dem Weltmarkt.
Wie das denn, Herr Maier?
Nun, es hat anscheinend direkt etwas mit den Bildungsausgaben zu tun. 1995, vor 16 Jahren, gab die BRD 5,1 % des Bruttoinlandprodukts für Bildung im weitesten Sinne aus. 2008 waren es nur noch 4,8 %, der OECD-Schnitt lag bei 5,9 % .
Klar, dass es dann nicht so viele Akademiker wie in anderen Staaten gibt. Es fehlen aber auch Menschen in Berufen wie Technische Zeichner, Laboranten, Gebäudereiniger oder Pförtner (sind das "Hauptschülerberufe"?).
In keinem anderen Industrieland sei das Bildungsniveau in den vergangenen 50 Jahren so außergewöhnlich langsam angestiegen wie in Deutschland, meinte der Bildungsexperte Schleicher, der die OECD-Studie vorstellte.
Wundert sich noch jemand?

7. September 2011

Integration verlangen, Deutschkurse sparen

...titelt die taz am 8. September 2011. 
"Die Bundesregierung fordert mehr Integration, streicht aber im Gegenzug bei den entsprechenden Angeboten. Teilweise gibt es Listen mit 9.000 Bewerbern." Soweit die taz.
Tja.
Die Zahl derer, die Integrationskurse besuchen wollen, sank erheblich, von 116000 auf 88000. Warum?
Einsparungen führten zu einer Verschlechterung des Angebots, eingespart wurde bei der Fahrtkostenerstattung und der Kinderbetreuung sowie bei den Teilzeitkursen.
Die Integrationskurse beinhalten 600 Stunden Deutschunterricht plus 45 Stunden Geschichte und Kultur Deutschlands. Eigentlich nicht schlecht für zugewanderte Mitbürger, deren Deutschlandbild ganz anders ist als das Deutschland, in dem sie leben.
Aber warum dann die Einsparungen?
Naja, das Geld wird halt knapp.
Bankrotte Landesbanken brauchen Geld, zahlungsunfähige EU-Staaten verschlingen Hunderte von Milliarden Euros, politisch umstrittene Großprojekte kosten schwindelerregende Summen.
Es muss doch irgendwo gespart werden, auch wenn es nur verhältnismäßig kleine Beträge sind! Wird doch jede/r verstehen, oder etwa nicht?
Integrationsunwillig? Wer ist integrationsunwillig? Sag bloß, das ist die Bundesregierung mit ihren Sparmaßnahmen!
88000 Kurswillige sind es jedenfalls nicht.
Die wollen nämlich.