19. September 2011

Fachabteilungsmärchen oder Zeit schinden


Es war einmal eine Großstadt, die sich "Schulstadt" nannte und deren Verwaltung sich in Referate gliederte. Das zuständige Referat für Schulen hieß "Referat für Bildung und Sport". Dieses wiederum gliederte sich in so genannte "Fachabteilungen", davon war die Fachabteilung 4 für Grund- und Mittelschulen, die Fachabteilung 5 für Kindertagesstätten und Horte zuständig. So weit war alles gut.
Nun war aber die Situation vor Ort folgende:
Die Grund- und Hauptschule platzten aus allen Nähten, es gab zu wenige Klassenzimmer, Rückzugsräume, Essensplätze für den Ganztag, Zimmer für Veranstaltungen.
Gegenüber der Schule befand sich ein ehemaliger Hort, der Fachabteilung 5 zugehörig.
Die Schule entwickelte natürlich gewisse Begehrlichkeiten für diese Räume. Erst wollte sie die Räume ganz für sich bekommen, merkte aber schnell die Widerstände. Sie lud die Stadtschulrätin (Referentin für Bildung und Sport) zu sich ein, erklärte ihr die Situation und meinte, sie als Vorgesetzte der Fachabteilungen 4 und 5 könne doch für Abhilfe sorgen, ein Machtwort sprechen ...
Daraufhin wurde sofort ein aufwändiger Belegungsplan für diese Horträume erstellt, aber, ein Blick aus dem Fenster der Schule zeigte jeden Tag, dass diese Räume äußerst selten belegt waren.
In den folgenden Jahren fanden dann unentwegt Hausbegehungen in der Schule statt, manchmal zwei pro Schuljahr. Jede Besenkammer wurde inspiziert und umgedreht, Belegungspläne der Zimmer wurden eingehend studiert. Man bekam den Eindruck, es käme etwas Bewegung in die Angelegenheit. Monate, Jahre gingen ins Land. Nichts geschah.
Die Schule wollte dann, realistischer geworden, nur noch eine Teilnutzung für das Mittagessen des Ganztagszuges. Dort in den Räumen war ja eine voll ausgebaute Küche vorhanden. Eine Belegung durch F5 war nach wie vor praktisch nicht vorhanden; ab und zu wanderte eine Gruppe hinein, nur um Flagge zu zeigen.
Der neue Stadtschulrat wurde eingeladen. Der hatte aber nur die Idee, in Klassenzimmern zu essen, die Schüsselchen im Waschbecken zu säubern und im übrigen Unterricht auf den Gängen zu halten.
Seinen eigenen Stall ausmisten - das konnte wollte er ebenso wenig wie seine Vorgängerin.
Die Zahl der Hausbegehungen war bei 8 angelangt.
Lesepaten, Englischpaten, sonstige Ehrenamtliche, Berufspaten - sie waren nicht mehr im Haus unterzubringen.
Es rührte sich nichts.
Nach einer Podiumsdiskussion, auf der die städtische Ganztagesagentur ihre Hilfe bei Problemen anbot, wurde diese sofort um Unterstützung angesprochen, die sie auch (vollmundig?) versprach.
Nichts passierte.
Die Räume gegenüber der Schule standen weiterhin leer, weiterhin bezahlte das Schulreferat eine teure Miete für praktisch keine Nutzung.
Ein Brief flatterte ins (Schul)Haus. Die 9. Begehung wurde angekündigt. Und das Baureferat war kreativ gewesen: Im bisherigen Essensraum sei doch Platz für 40 Schüler, da ja jeder 1,3 Quadratmeter zur Verfügung habe, Gänge eingerechnet, 13 Quadratmeter für die Essensausgabe seien bereits berücksichtigt. Fehlende Tische und Stühle könnten bestellt werden, kleinere Baumaßnahmen könnten sofort durchgeführt werden.
Was wollte die Schule denn noch mehr?
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ...

... wird die 9. Begehung wie das Hornberger Schießen verlaufen.
... wird sich nichts ändern.
... wird die Raumnot sich weiter vergrößern.
... werden die Räume gegenüber weiterhin leer stehen.
... wird Geld in Form von Miete weiterhin verpulvert werden.

Ja, aber der Herr Oberbürgermeister ist doch der oberste Ombudsmann!
Ach was, Herr Maier, der hat ganz andere Pläne!

Kommentare:

  1. Es wäre zu einfach und zu bitter zu sagen, dass das typisch ist. Und zu einfach. Aber man könnte viele Geschichten dazu erzählen. Und mit Vernunft oder gesundem Menschenverstand hätte keine zu tun.

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  2. Ich verstehe die beiden ersten Sätze nicht ...

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  3. Ich wollte sagen, dass es zu einfach wäre, wenn man einfach nur sagt "Typisch Bildungsbeamte". Ich kenne da auch ein paar.
    Z.B. als die Schule gebaut wird, baut man nur eine einfach Turnhalle. Man sagt: Wir haben alle Schüler des Ortes zusammen gerechnet und mit den Turnhallen vor Ort verrechnet. Rechnerisch passt das.
    Ergo hat die Schule Sportunterricht bis in den Nachmittag, die Schüler fahren nur für den Deutschunterricht mit der S-Bahn oder dem Bus in die passende Halle und wieder zurück. Und die Schülerzahlen gehen einfach nicht zurück...und die letzte Klasse hat bis 17.15 Sport.
    Jetzt baut man endlich eine zweite Halle.
    Nicht zu vergessen, dass man vor Jahren schon nur die Hälfte der Schule gebaut hat, weil man meinte, das würde reichen. Nun unterrichtet man 25 Klassen in 16 Klassenräumen.

    Mehr steckte nicht in den Sätzen...;)

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