1. November 2011

Campus Campusser Am Campussten

Im neuen, erst noch geplanten Stadtteil Münchens, in Freiham, soll es einen Campus geben für 3000 Schüler und 300 LehrerInnen. Dazu sollen Volkshochschule, Kulturzentrum, Bibliotheken, Freizeiteinrichtungen gruppiert werden. Eine gigantische Aufgabe.

Der Begriff  "Campus" kam in den 1960er Jahren aus den USA  in das Deutsche und ist lateinischen Ursprungs (campus, das Feld). Unter „Campus-Hochschulen“ versteht man Hochschulen, bei denen Lehr- und Forschungseinrichtungen, Wohnraum für Lehrende und Studenten sowie andere universitätsnahe Infrastruktur samt Grünflächen auf engem Raum zusammengefasst sind.
Nun soll in München ein Campus für Schulen geplant werden. Ein Förderzentrum und die "HauptMittelschule" sind bislang nicht vorgesehen. Eine Förderschule vielleicht deswegen nicht, weil ja ab diesem Schuljahr auf Teufel komm raus inkludiert werden soll - Inklusion ist  das neue Lieblingswort des KM - und HauptMittelschule vielleicht deswegen nicht, weil dieses Wort gar niemand mehr gerne in den Mund nimmt, so auch z. B. auf der von REGSAM initiierten Diskussion am 27. Okzober 2011 in Neuaubing.
Der Arbeitskreis Ganztagsschule von Regsam leistet gute Arbeit, macht sich Gedanken und tritt mit seinen Vorstellungen an die Öffentlichkeit. Versagt hat hingegen die Diskussionsleitung, die eine starr festgelegte Vorgehensweise im Kopf hatte und, bevor Konzepte diskutiert werden durften, nur Beiträge zum Punkt "Was müssen wir als nächstes tun?" zuließ, das Pferd also von hinten aufzäumte.
Vertreter aller großen Stadtratsparteien bis auf die CSU - sie ließ sich aus Krankheitsgründen entschuldigen und sandte keinen Ersatz - BürgerInnen, Schulleitungen, Regsam-MitarbeiterInnen und ein Lehrerverband diskutierten über die Pläne der Stadt und das Konzept der Projektgruppe Ganztagesschule.
Professor Hübner, ein erfahrener Schularchitekt, stellte die von ihm mit geplante EGG Gelsenkirchen vor.

Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen (Fotos: plus+ bauplanung GmbH Hübner-Forster-Hübner-Remes Freie Architekten)
Beeindruckend war die Idee die Schule als Dorf anzulegen, locker angesiedelt um eine Art Dorfstraße, trotzdem oder gerade deswegen überschaubar.
Er stellte im Lauf seines Vortrags eine wichtige Frage, die wahrscheinlich unterging und folglich nicht beantwortet wurde, wohl auch, weil vom Planungsreferat niemand anwesend war: Warum muss es ein riesiger Campus sein, warum kann man nicht drei dezentral gruppierte kleinere Einheiten bauen?
Diese Frage stellt sich z.B. auch die HauptMittelschule im benachbarten Stadtteil Neuaubing seit langem. Die Schulgeschichte der letzten 10 Jahre dürfte gezeigt haben, dass Gefahrensituationen meist an großen, unüberschaubaren Bildungseinrichtungen entstehen. Dort, wo die Lehrer und Schulleitungen jeden Schüler kennen (das funktioniert bis zu einer Größe von 500 Schülern), wo die Identifikation der SchülerInnen mit ihrer Schule stark ist, wo keine Schmierereien und sonstige Gewaltindikatoren anzutreffen sind, wo Problemlagen rechtzeitig erkannt werden und angemessen darauf reagiert werden kann, kommt es selten zu Eskalationen.
Und mit einem Campus für 3300 Menschen? Wie wird das sein?


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