7. November 2011

Literatur für die Schule? Ja, aber nur am Gymnasium


"Bislang läuft es in der Schule doch eher so: Der Lehrplan diktiert die Lektürelisten, lesen mit mehr oder weniger Lust, eine abschließende Schulaufgabe. Mitunter denken sich Lehrer wie Schüler: Wenn man den Autor doch mal direkt fragen könnte! Wir geben rund 20 Schulen die Gelegenheit, die Patenschaft für einen der zum forum:autoren geladenen Schriftsteller zu übernehmen und sie exklusiv in den Schulen zu empfangen.  
Was ist eine Patenschaft? Wir möchten nicht, dass unsere Autoren vor unvorbereitete Klassen treten, ein Buch aufschlagen, lesen, es irgendwann zuschlagen und gehen. Wir möchten, dass die lebendige Auseinandersetzung, auf die das Festival auch bei seinen anderen Veranstaltungsreihen setzt, jeden Morgen in den Schulen beginnt. Erfinden Sie eine eigene Veranstaltung mit Ihrem Autor! ...
Teilnehmen konnten alle Münchner Gymnasien ab der 10. Klasse."
So weit der Text des Kurators Matthias Politycki (oder anderer Veranstalter?)

24 Gymnasien, 2 Fachoberschulen und 4 Berufsoberschulen werden ab dem 11.11.2011 an den Workshops/Lesungen des Münchner Literaturfests teilnehmen.
0 Realschulen, 0 HauptMittelschulen, 0 Grundschulen, 0 Förderschulen.

Literatur - eine Veranstaltung exklusiv für eine sog. "Elite"?
Oder besteht Angst, weil Gymnasiasten "gesittet" und alle anderen "wild" sind?
Egal, wie dem auch sei.

Es gibt eine Schule, die - neben wahrscheinlich vielen anderen - sich Leseförderung auf ihre Fahnen geschrieben hat. Ganz groß. Und nachhaltig.
15-20 Lese- und Englischpatinnen (the ladies who practice English conversation with the kids and who cannot speak German, at least they don`t want to) kommen seit Jahren ins Haus und lesen zusammen mit den KlassenlehrerInnen A.S. Neill oder E. Kästner oder O. Preußler oder H.G. Noack. Vereinfacht, aber immerhin.
Klassen gehen ins Theater und sehen sich Stücke nach literarischen Vorlagen an (Fahrenheit 451, Prinz Eisenherz, Märchen der Gebrüder Grimm usw.).
Texte werden für die regelmäßig erscheinende Schülerzeitung produziert.
Eine Vorlesefirma kann gebucht werden, um selbst gewählte oder bestellte Geschichten zu lesen, in Schulen, Kindergärten, Kirchen, Altenheimen, im Sportverein.
SchülerInnen gehen auf Lesungen. Aus einer solchen resultiert die im Januar 2012 stattfindende Schreibwerkstatt mit Mirijam Günter, Autorin bei dtv.
Hätte hierzu, und ich betone, nicht nur an dieser, sondern auch an anderen HauptMittelschulen, nicht die Teilnahme am Literaturfest gepasst?
Ich meine schon.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen