12. Februar 2012

Inklusion? Klar! Aber nur mit genügend Ressourcen!

"Noch bekommt Deutschland schlechte Noten bei der Pflichtaufgabe Inklusion: Nur 20 Prozent von bundesweit 485.000 Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf lernen an einer Regelschule, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung vom September 2011 zeigt. International sind es 85 Prozent. 'Bei der Inklusion sind wir erst am Anfang in Deutschland - und Schlusslicht in Europa', kritisiert Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbands Deutschland (SoVD). 'Die Bereitschaft, für behinderte Kinder wirklich etwas zu tun, ist leider gering.'"
So weit Spiegel online.



Wir inkludieren seit 2002 Schüler aus dem benachbarten sonderpädagogischen Förderzentrum in unsere 5. Klassen, aber auch in höhere. Es klappt. Aber nur, weil sich die Schule jede zusätzliche Förderung der Inklusionsschüler aus den Rippen schneidet.
Für jeden Inklusionsschüler bekommen wir in der 5. Klasse eine Stunde Förderung durch eine Förderschullehrerin, in der 6. Klasse dann nur noch drei insgesamt, ab der 7. Klasse keine mehr. Die Schüler sind aber nach wie vor da.
Ist die Förderschullehrkraft krank, so muss die Regelschule für Ersatz sorgen.
Geld für besondere Lehr- und Lernmittel wird nicht zur Verfügung gestellt.
Besprechungsstunden zwischen Förder- und HauptMittelschullehrkraft sind offiziell nicht vorgesehen.
Bei der Klassenbildung zu Beginn des Schuljahres werden die inkludierten Schüler nicht mit gezählt, was sich direkt auf die Kursstärken der praktischen Fächer und Sport auswirkt. Wir müssen so tun, als gäbe es sie nicht.
Wundert es noch jemanden, dass international 65 % mehr behinderte Kinder inkludiert werden?
Ich warte gespannt auf eine Untersuchung, in der die Inklusion von verschiedenen Ländern verglichen wird. Inhaltlich, personell und auch materiell.
PS. Meine schwerbehinderte Nichte wird seit der ersten Klasse Grundschule inkludiert - heute ist sie in der 10. - aber nur auf Grund des unermüdlichen Einsatzes ihrer Mutter, ihrer jeweiligen Lehrkräfte und ihrer Klassenkameraden. Von Seiten des Staates kommt nichts ohne Druck und Nachfassen.

Kommentare:

  1. Oha. Du hast "Jehova" gesagt. Wie kannst Du nur darauf warten, dass Dinge wie "Inklusion" inhaltlich, personell UND materiell verglichen werden? Wo kämen wir denn da hin, wenn wir all die wunderbaren Neuerungen im Bildungssystem nicht ungefragt übernähmen, sondern zuerst einmal schauten, welche Voraussetzungen für solche Neuerungen geschaffen werden müssen, damit sie auch wirklich bei uns funktionieren? Nein, nein, nein. Das geht so nicht. Sonst würde womöglich noch irgendwer auf die Idee kommen zu fragen, ob sich "individuelle Förderung" und "Klassenstärken von 30+" eventuell auch widersprechen? Das darf nicht passieren.

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  2. Das wundert mich ehrlich gesagt gar nicht. Ich kenne da Island etwas näher, und da werden behinderte Kinder wenn es irgend geht in der Regelschule eingeschult (und vorher natürlich im normalen Kindergarten). Den Schulen/Kindergärten werden dann für diese Kinder entsprechend des Bedarfs zusätzliche Kräfte zur Seite gestellt, die dann nur für das Kind da sind. Das kann von stundenweiser Extrabetreuung zum Lernen einzelner Dinge bis hin zu einer relativ kompletten Betreuung gehen. Damit klappt das ziemlich gut. Achja: Diese Betreuung wird natürlich aus Mitteln gezahlt, die entsprechend zusätzlich zur Verfügung stehen.

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  3. Die sog. nordischen Länder scheinen mit Bildung anders umzugehen. Deswegen auch die guten Ergebnisse bei internationalen Leistungsvergleichen.

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  4. Inklusion muss natürlich möglichst kostenneutral geschehen. Es gibt viele gute Ratschläge, nicht zuletzt von der "Glückslotterie", die interessierten Lehrkräften Material anbietet, beispielsweise für Projektarbeit, Möglichkeiten der Differenzierung und Individualisierung. Da haben wir ja noch nie davon gehört! So einfach ist das?

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