12. April 2012

Das schlechte Gewissen der LehrerInnen

"Jetzt hast Du ja schon wieder Ferien"
"Ist Dir nicht langweilig?"
"Lehrer müsste man sein!"
Es ist nun ja nicht so wie in vielen Behörden, dass das, was nicht geschafft wird, liegen bleibt. Und irgendwann abgearbeitet wird.
In der Schule müssen die Kunden sofort bedient werden.

Unterricht, Konferenzen, Fortbildungen.
Nach Unterrichtsschluss folgen dannTelefonate mit: Sozialbürgerhaus, Polizei, Eltern, anderen Behörden, FilmDVD-Stelle, Verlagen, Schullandheimen, Firmen wg. Praktikumsstellen, Jobcenter, Arbeitsagentur, Nachbarschulen, externen Kooperationspartnern, Stiftungen, Lesepaten, Jobmentoren, sonstigen Ehrenamtlichen, und die Hälfte ist bei der Aufzählung noch vergessen, Schülergespräche, Elterngespräche, dann Vorbereitung, dann Korrektur..
Schon ist es 16 Uhr, also 9 Stunden Arbeit bei  maximal 30 Minuten Pause.


Zu Hause Familie, Kochen, Abendessen, wer kleine Kinder hat..., dann wieder Schreibtisch.
Schon ist es 22 Uhr.
Arbeitsmediziner haben übrigens heraus gefunden, dass die Arbeitsbelastung einer Lehrkraft der von Kampfjetpiloten entspricht (bestimmte Hormonausschüttungen als Parameter), die aber mit 49 Jahren in Ruhestand gehen.
Das Wochenende verkürzt sich auf einen Tag, meistens Samstag, weil am Sonntag schon wieder die Woche geplant und vorbereitet wird.
Ja, dann gibt es Ferien.
Projekte werden geplant. Arbeiten korrigiert. Lehr-und Stoffverteilungspläne geschrieben bzw. überarbeitet.
Museumsbesuche vorbereitet. Fortbildungen besucht. Das, was immer schon liegen blieb, aufgearbeitet.
Ja, und dann auch ein wenig durchgeschnauft, gefaulenzt, gebaumelt, erholt.
Sind die Ferien bei 50 Wochenstunden (bei mir sind es 60) zu viel?
Schluss jetzt mit dem Hauch eines schlechten Gewissens! Wir müssten manchmal noch mehr Ferien einfordern.

Kommentare:

  1. Uff, wenn man das so liest, wird einem ja richtig schwindelig :) Als Referendarin kann man die zukünftige Arbeitsbelastung nur erahnen. Zwar hat man auch Stress, aber einfach viel weniger Zeitstunden an Arbeit. All die administrativen Sachen fallen ja komplett weg, und natürlich unterrichten wir nur einen Bruchteil von dem, was wir später mal leisten werden. Ich bin gespannt, wie ich selbst das im übernächsten Schuljahr handle ( vorausgesetzt ich bestehe alles, natürlich)
    Gute Erholung! Meistens wollen die, die ganz neidisch daherquasseln unseren Job ja eh nicht machen. Steht ja jedem frei, wir hätten ja ALLE Lehrer werden können ;)

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  2. Nun, so ist unser Beruf, der sich die letzten 20 Jahre stark verändert hat.
    Es ist sehr viel und anstrengend, aber dafür haben wir immer wieder Ferien.
    Und eingebunden in ein prima Kollegium läßt sich die Arbeit leichter meistern.

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  3. für noch mehr Ferien wär ich auch! Ich meine; Lehrer haben Ferien = Schüler haben auch Ferien :D
    Spaß beiseite, oben genanntes stimmt schon. Ist sicher kein Zuckerschlecken und gerade deshalb schade, dass man mit solchen Vorurteilen zu kämpfen hat. Für Außenstehende aber vllt auch nicht immer so klar, was das teilweise für einen Katzenschwanz nach sich zieht. Ich kriegs ja auch nur durch meine Mum mit...

    Auch wenn Sie viel beschäftigt sind; ein Bild von der "Kartoffelbatterie" würd ich doch gern sehen, Sie haben mich neugierig gemacht :)

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  4. Ich stimme zu.
    Aber wo finde ich die Studie bzgl. des Vergleiches "Arbeitsbelastung Lehrer-Kampfjetpilot"?

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    1. Da muss ich suchen, Frl. Rot. Die Studie machte in den 80er Jahren die Runde und ich nehme an, ich habe sie aus der SZ oder dem SPIEGEL. Ich schau mal nach. Sie hat mich damals sehr beeindruckt, so dass ich sie mir gemerkt habe.

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