28. Juni 2012

Migrationsbericht 2010 bis 2012



Die Berichte und Studien und Untersuchungen häufen sich im Sommer. Im Winter, bei schlechterem Wetter, wird fleißig studiert und ausgewertet. Im Sommer wird dann veröffentlicht.
Also:
Mehr Kinder aus Migrantenfamilien gehen in die Kitas.
Mehr Schüler mit ausländischen Wurzeln machen dank besserer Sprachförderung die mittlere Reife oder das Abitur.
Dagegen verlassen weniger Schüler die Schule ohne Abschluss und es beginnen wieder genauso viele Jugendliche mit Migrationshintergund eine Lehre wie 1994.
Uns wundert das nicht.
Wir arbeiten daran.

24. Juni 2012

Thema Bildung


Letzte Woche gab es den fluter 43 (Abo gratis). An Stelle eines eigenen Posts veröffentliche ich das Editorial. Hat die Bundeszentrale für politische Bildung etwas gegen die Kultusministerkonferenz? Könnte direkt sein.
 
"In einem Land mit Schulpflicht sind alle Bildungsexperten. Das Bildungswesen ist eine riesige gesellschaftliche Maschinerie. In Deutschland arbeiten als Lehrende allein im Schulbereich mehr als dreimal so viele Menschen wie im ganzen Finanzsektor. Millionen Jungen und Mädchen sind Jahre ihrer Kindheit und Jugend als Lernende in den verschiedensten Bildungseinrichtungen unterwegs.
In dieses kulturelle und politische Feld sind langlebige konkurrierende Vorstellungen eingepflanzt über ldeale, konkrete Ziele und die angemessenen Mittel von Bildungsprozessen.
Über fast alles, was dazu gehört, gibt es ständig Streit. Und das ist auch
gut so, denn im 21. Jahrhundert ist Bildung wichtiger denn je und steht vor großen Umwälzungen.
Bildung ist eine Baustelle. Die konkrete Wirklichkeit sieht vielerorts noch verbesserungswürdig aus.
Der aus der lndustrialisierung stammende Vorrang repetitiven Wissens und eher autoritärer Methoden der Vermittlung ist ungebrochen. Bildung wird noch zu stark als Funktion ökonomischer Wertschöpfungsketten gesehen. Das Ziel einer möglichst schnellen Ausbildung ersetzt zu oft jenes des allmählichen geistigen Reifeprozesses.


 Der große bildungspolitische Skandal Deutschlands ist aber, dass ein 'Aufstieg durch Bildung' für viele unrealistisch geworden ist. Eine zunehmende Privatisierung der Bildung macht zudem aus einem öffentlichen Gut ein Privileg der Besserverdienenden.
Auf diesem Bildungspfad wurde die soziale Spaltung eher größer und damit die kulturelle Verarmung. Es gilt aber den Zusammenhalt durch Bildung zu stärken, den Ehrgeiz und die Talente möglichst aller zu wecken und sie entsprechend ihren Fähigkeiten bestmöglich zu fördern.
Wir könnten in einer friedlichen Form der Renaissancekultur leben, einer steten und allgemeinen lntensivierung der kulturellen Fertigkeiten der Vielen. Der Zugriff auf das Wissen und die Ideen steht uns in den digitalen Netzen
jederzeit zur Verfugung, der Austausch über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg ist einfacher möglich denn je. Neue Formen der Lehre und des Lernens machen sich das schon heute zunutze. lmmerhin, es wird auch in Deutschland vieles getan. In den Schulen hält die digitale Revolution Einzug. Der Bildungshunger ist
ungebrochen, und auch das Engagement der Verantwortlichen ist enorm. Aber es braucht noch ehrgeizigere Politik und ein allgemeines Bewusstsein dafür, dass Bildung mehr ist als ein nützlicher Zweck.
Bildung ist die Freiheit, die wir uns nehmen müssen. Ob Bildung gelingt, dafür trägt nicht nur die Allgemeinheit, sondern letztlich jeder selbst Verantwortung. Es lohnt sich so oder so. Wenn Bildung gelingt, bewegen wir uns in einer besseren Form des Lebens.
Thorsten Schilling"

23. Juni 2012

Bildungsbericht 2012



Wirklich Neues bringt er nicht.
  1. Es gibt immer mehr Abiturienten. Das wissen wir; wie kann es auch anders sein bei einer Übertrittsquote von manchmal 90 %.
  2. Die Gruppe der 30jährigen bildet sich immer weniger fort. Normal heutzutage. Innerbetriebliche Fortbildungen sind nicht erwünscht; die Zahlen müssen stimmen, die Zielvereinbarungen.
  3. Die Zahl der Förderschüler steigt, sowohl in den Förderschulen als auch in den allgemein bildenden Schulen: Inklusion sei Dank! Förderschüler in Regelschulen sind natürlich billiger.
  4. Es fehlen 260.000 Kitaplätze für Dreijährige (Rechtsanspruch nächstes Jahr).
  5. In der Kita betreute Kinder haben in der Schule bessere Chancen. Wissen wir auch.
  6. Die Jugendlichen ohne Schul- oder Ausbildungsabschluss, der "Sockel der Chancenlosen", macht 15 - 20 % aus. Jeder 5. Jugendliche ist ein schwacher Leser und kann Texte nicht ausreichend verstehen.
  7. Und noch ein Positivum: Die Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss ist seit 2008 um ein Prozent gesunken.

12. Juni 2012

Bankrott der Ideen

Arbeitslos werdende Schlecker-Frauen sollen Erzieherinnen werden - so die neueste Hüftschussidee der Bundesregierung bzw. einer ihrer Ministerinnen. Schlecker-Frauen, zumeist schon in fortgeschrittenem Alter, sollen umschulen auf einen Beruf, der zu den wohl anstrengendsten, am schlechtesten bezahlten, aber auch wichtigsten im Bildungswesen zählt: Erzieherin.
Schreiende Kleinkinder, Einzelprinzen und -prinzessinnen sollen sozialisiert werden. Die Erzieherinnen sollen in diesem Krabbel- und Pups- und Kleckerinferno immer ruhig, geduldig bleiben, sollen mit ihrer Klientel dann so nebenher auch noch Vorschularbeit leisten, ihr Grundkenntnisse in der deutschen Alltagssprache vermitteln, Umgangsformen bei- und unter bestimmten Bedingungen manche Werte näher bringen.
Das alles soll jetzt die Schlecker-Frau machen. Sie, die vor langer Zeit einmal Verkauf oder Einzelhandel gelernt hat. Aber es stimmt schon, der gemeinsame Nenner der beiden ansonsten äußerst unterschiedlichen Arbeitsbereiche sind der miese Verdienst und die den Verkäuferinnen und Erzieherinnen gleichermaßen drohende Altersarmut. Frau Schröder, die solche Ideen gebiert, ihrerseits aber einmal sicher nicht in der Altersarmut landen wird, sagt damit aber noch mehr. Der Subtext ist doch einfach, dass in den Bereich der vorschulischen Erziehung nicht investiert werden soll. Das war ja mitdenkenden Bürgern spätestens seit der Einführung des Betreuungsgeldes klar. Die verdienende Mittelschicht ruft das Geld nicht ab, die schickt ihre Kinder nach wie vor in die Krippen und Kindergärten. Aber die Hartz-IV-Empfänger und kinderreiche ausländische Mitbürger werden dadurch nicht motiviert, ihre Kinder jeden Morgen in den öffentlichen Kindergarten zu bringen. Durch die Lockung des Geldes wird staatlicherseits eine noch tiefere Spaltung der Gesellschaft betrieben.
Die Lösung, seit 1990 bekannt:


 

 Hierzu siehe auch: Klick!

7. Juni 2012

Quantität und Qualität

Diese beiden Begriffe befinden sich nicht im Widerspruch zueinander, denn alle quantitativen Angaben beziehen sich auf bestimmte Qualitäten, die durch die quantitativen Angaben mengenmäßig erfasst werden.

Für Paracelsus hingen beide Begriffe noch zusammen: "Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding' kein Gift ist."
Für staatliche  Bildungsinstitutionen gilt aber wohl nur das Quantum des Angestrebten bzw. Erreichten. In den letzten Tagen ging nämlich eine Meldung durch die Zeitungen, dass in der BRD der Ausbau der Ganztagesangebote zügig voran kommt, dabei aber ein konzeptionelles Vakuum herrscht.



Dieser Meinung sind wir schon seit langem. "Ganztag" kann sich alles nennen, sei er echt rhythmisiert mit externen Kooperationspartnern oder sei er nur in den Nachmittag verlängerter Vormittagsunterricht mit einer 1€-Aufsicht. Offene und gebundene, d.h. rhythmisierte Ganztagsschulen, unterscheiden sich bundesweit erheblich in Zeitstruktur, Kooperationen, Angeboten und individueller Förderung.
Auch beim quantitativen Ausbau bestehen große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Die meisten Ganztagsschulen gibt es in Sachsen. Dort haben 96,5 Prozent aller Schulen Ganztagsangebote, es nutzen mit 73,3 Prozent auch die meisten Schüler entsprechende Angebote. Den bundesweit geringsten Anteil von Schülern, die ganztägig zum Unterricht gehen, hat Bayern mit 10,5 Prozent
Dies alles hat das Deutsche Jugendinstitut (DJI) aus München im Auftrag der Bertelsmann Stiftung heraugefunden.

1. Juni 2012

Sieh an, Lehrkräfte benoten fair!

Das Wissenschaftszentrum Berlin hat es herausgefunden: Bei gleicher Leistung und sozialer Herkunft halten LehrerInnen Migrantenkinder genauso "gymnasialtauglich" wie Kinder mit deutschem Hintergrund. Wenn Schüler - egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund -  nicht für den Übertritt empfohlen werden, liegt das an anderen Kriterien wie z. B. schlechterer Leistung oder ärmerer Herkunft.
Die Bildungsforscherin Cornelia Gresch, die das herausfand, meint, dass LehrerInnen die Nachteile von Migrantenkindern sogar ausgleichen. Das rückt unsere Zunft doch in ein besseres Licht, oder?


Well the dawn was coming,
heard him ringing on my bell.
He said, "My name's the teacher,
that is what I call myself.
And I have a lesson
that I must impart to you.
It's an old expression
but I must insist it's true.

Jump up, look around,
find yourself some fun,
no sense in sitting there hating everyone.
No man's an island and his castle isn't home,
the nest is full of nothing when the bird has flown.''

So I took a journey,
threw my world into the sea.
With me went the teacher
who found fun instead of me.

Hey man, what's the plan, what was that you said?
Sun-tanned, drink in hand, lying there in bed.
I try to socialize but I can't seem to find
what I was looking for, got something on my mind.

Then the teacher told me
it had been a lot of fun.
Thanked me for his ticket
and all that I had done.

Hey man, what's the plan, what was that you said?
Sun-tanned, drink in hand, lying there in bed.
I try to socialize but I can't seem to find
what I was looking for, got something on my mind.