1. Februar 2013

Mehr Freiheit und Verantwortung?

(zur Pressemitteilung 021 des KM Bayern vom 1.2.2013)
Erstmal vorweg: Den Ausdruck "Schulfamilie" kann ich ebensowenig leiden wie die "Ressourcensonne", die immer dann auf dem Tisch ausgebreitet wird, wenn es um Sparen geht. Wäre ich dann der Papa der Schulfamilie? Oder gar der beginnend demente Opa?



Tja.
Entscheidungs- und Handlungskompetenz sollen vor Ort gestärkt werden.
Wieso eigentlich? Sollen mit der mittleren Führungsebene die KollegInnen "vor Ort" abgespeist werden, weil sie im Voksschulbereich kaum Aufstiegschancen oder Anrechnungen haben? Leitungsspannen reduzieren? Das Wort werde ich für das Unwort des Jahres vorschlagen. Soll die mittlere Führungsebene Schulleitungen zum Nulltarif entlasten, Schulleitungen, die in  der Grund- und Mittelschule wesentlich mehr Zeit für Unterricht aufbringen müssen als sie Zeit für Leitung haben, verglichen mit den anderen beiden Schulformen unserer heiligen Dreifaltiggliedrigkeit?
Und überhaupt: Fängt Autonomie nicht damit an, dass die Leitung zumindest Mitsprache beim Personal, bei der Stellvertretung oder der Nachfolgerin hat? Solange das nicht garantiert ist, bleibt alles andere Gewäsch.
Wunderbar ist, dass wir jetzt "eigene Schulentwicklungsprogramme" entwickeln dürfen. Als wir vor 12 Jahren anfingen, unsere Schule selbständig, mit externen Partnern, zu entwickeln, bekamen wir keine Unterstützung. Bis heute eigentlich. Die Preise oder Nominierungen, die wir alle zwei Jahre bekommen, werden natürlich stolz ans Revers geheftet.
Und dass die Schulen "begleitet" werden, das spüren wir ja schon immer. "Die Eigenverantwortliche Schule ist keine autonome Schule. Unsere Schule ist in einen stabilen Rahmen der Qualitätsentwicklung und Begleitung eingebunden“, so der Minister.
Es wird sich wenig bis nichts tun.

1 Kommentar:

  1. Die Ressourcensonne hat durchaus ihre Berechtigung: Da sieht man, was man möchte, vermag und nicht verwirklichen kann. Während offizielle Stellen immer phantastischere Bildungsmodelle entwerfen und diese von der Öffentlichkeit sehr dankbar aufgenommen werden, schließlich sind Wahlkampfzeiten (eigentlich durchgängig), aber die notwendigen Mittel werden natürlich nicht zur Verfügung gestellt. Die Lehrerbildung verharrt großzügig im Stand vor 20 Jahren. Da werden ja nicht einmal die derzeit an den Schulen gültigen Fächer vermittelt. Beispiel: Inklusion. Man hat das Problem mit der Flut von Ganztagesschulen noch überhaupt nicht im Griff, da öffnet man schon die nächste Baustelle. "Freiarbeit", "Differenzierung" und "Individualisierung" heißen da die Schlagworte, die Wunder bei Klassen von 25 Schülern + zusätzlichen Inklusionsschülern bewirken sollen. Da kann man sogar mit der veralteten universitären Ausbildung noch mithalten, auch wenn man bald in Pension geht, das haben wir im Repertoire. Das beruhigt. Also so einfach geht das. Leider merkt man schnell, dass die Ressourcensonne kümmerlich und sehr blass ist: Neben den nicht vorhandenen Räumlichkeiten, der mangelnden Ausbildung fehlt es an allen Ecken und Enden. Sonnig strahlen können nur die eigentlichen Verantwortlichen, die die Bevölkerung mit Schlagworten eingelullt haben und die Verantwortung flugs nach unten abgeschoben haben, Entscheidungskompetenz und Handlungskompetenz vor Ort zu Verwaltung von Missständen. Mitsprache brauchen wir nicht, womöglich käme dann auf, dass Bildung ausschließlich dem Sparwillen unterworfen wird.Was soll man dazu noch sagen?

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