6. November 2013

Ganztagsschulen verfehlen Zielgruppe

So titelt Spiegel online und zitiert eine in München veröffentlichte Studie des "Aktionsrats Bildung".
Dieser beklagt, dass sich "bislang keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Schülerleistungen in den Domänen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften an Halb- oder Ganztagsgrundschulen nachweisen" lassen.
Dazu muss ich bemerken, dass die Verfasser der Studie den falschen Ausgangspunkt gewählt haben. Zielgruppe sind berufstätige Eltern und nicht "leistungsschwache" Kinder: Die Ganztagesbetreuung ist für berufstätige Eltern gedacht und soll keine Nachhilfeveranstaltung am Nachmittag sein. Wenn die Autoren allerdings kritisieren, dass "nach der Mittagspause ... dann externe Kooperationspartner in die Schulen ... kommen", haben sie recht. Bei uns jedenfalls ist der Ganztag rhythmisiert, d.h. die Kooperationspartner kommen auch am Vormittag bzw. unsere Schüler gehen zu den Kooperationspartnern. Am Nachmittag findet meist selbstorganisiertes Lernen oder differenzierter Sportunterricht statt.
Dann monieren die Verfasser, "dass es nur teilweise gelinge, 'diejenigen Schülerinnen und Schüler zu erreichen, die unter benachteiligenden und/oder belastenden Bedingungen aufwachsen'": Wir als HauptMittelschule haben nur benachteiligte oder belastete Schüler.
Dem Aktionsrat Bildung geht es um die Qualität von Ganztagsschulen, die mehr sein sollen als bloße Verwahranstalten. Hier haben sie nochmal recht, die Verfasser.

Kommentare:

  1. haha, "Verwahranstalt" ist gut - nach dem Motto läuft es bei uns auch - aber Hauptsache, unser Elite-Gymnasium darf "Ganztagesangebote" erwähnen... :D

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  2. Leider gibt es keinerlei Standards, was die Ausgestaltung des Ganztagsangebotes betrifft. Kosten soll es halt möglichst wenig bis gar nichts. So kommt es, dass die Eltern oft Mogelpakete vorgesetzt bekommen: Kein Unterschied wird offiziell zwischen einem Angebot der kulturellen Bildung mit intensiver Betreuung und der bloßen Beaufsichtigung von Stillarbeit durch eine nichtausgebildete Hilfskraft gemacht. Die Schulleiter, die sich um ein anspruchsvolles Angebot bemühen sind dann das gesamte Schuljahr mit der Rekrutierung von Stiftungsgeldern u.ä. beschäftigt, da natürlich mit 6000€ im Jahr nichts erreicht wird.
    Das Ganztagesangebot wurde hektisch und unüberlegt aus dem Boden gestampft. Die Schulen werden es schon richten, dauert halt ein bisschen. Bleibt zu hoffen, dass nicht zu schnell die nächste Baustelle lauert.

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