24. Dezember 2013

"Ohne Worte"

... betitelt die Süddeutsche Zeitung am 24.12.2013 einen Artikel im Wirtschaftsteil: 7,5 Millionen Analphabeten soll es in Deutschland geben.
Menschen, die kulturell, bildungs- oder psychisch bedingte individuelle Defizite im Lesen oder Schreiben haben, bis hin zu völligem Unvermögen darin.
25000 Analphabeten besuchen zur Zeit Alphabetisierungskurse, ein Tropfen unter den 7,5 Millionen.
Mit kleinen Klassen, Förderlehrkräften, Förderunterricht, Lesepaten, Leseclubs oder Schülerbüchereien und  -zeitungen erreichte man natürlich viel früher viel mehr junge Menschen aus bildungarmen Schichten.

Kommentare:

  1. Hilfreich wäre imho auch, wenn sich die Grundschule wieder mehr den schwächeren Schülern widmen würde, anstatt sich ausschließlich den übertrittsfähigen - Korrektur: übertrittsverpflichteten Schülern und deren Eltern verpflichtet zu fühlen.

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    1. Da haben Sie recht. Gerade bei uns im Haus (Grundschule und Mittelschule - getrennt) versuchen die Kolleginnen der GS die guten Schüler verstärkt zu fördern, weil Stadt und Staat die niedrigen Übertrittsquoten kritisieren und sie dem Druck schlecht standhalten können.
      Das heißt: In die 5. Eingangsklassen kommen frustrierte, undisziplinierte Kinder, die noch nicht gut lesen und schreiben können und bei denene die Grundrechenarten überhaupt nicht sitzen.

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  2. Bei so vielen Analphabeten (die Dunkelziffer liegt vermutlich noch viel höher) sollte man schon ins Grübeln kommen: Betrifft dieses Unvermögen nur Menschen, die den Pflichtschulen entspringen? Welche Berufe ergreifen diese Menschen? Gibt es Berufe, die man mit diesem Unvermögen ergreifen kann?
    Vor allem: Was wird unter der Vorstellung von "Lesen" verstanden?
    Mir kommt langsam der Verdacht, dass im Zeitalter von Microsoft und Smartphone nur noch das richtige Bildchen angeklickt werden muss. Vermutlich haben in den sogenannten "höheren Bildungseinrichtungen" die Schüler auch nicht alle Pflichtlektüren selbst gelesen, schließlich findet man im Internet Zusammenfassungen und Interpretationen. Sie werden es schaffen, denn das ist der Trend. Lesen ist uncool. Goethes Werke locken heutzutage niemanden hinter dem Ofen hervor im Gegensatz zu den literarischen Höhenflügen von Boris Becker, der mit seinen Memoiren einige zeitgemäße Skandälchen zu bieten hat.
    Auch nicht jede Doktorarbeit ist dem geistigen Vermögen des Anwärters entsprungen.
    Ein Massenblatt hat schon vor Jahrzehnten die allgemeine Richtung erkannt: ein Bild - ein Wort, genial! "Bild dir deine Meinung!"

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  3. Darf ich ein bisschen polemisch werden und ein hässliches Wort schreiben?

    Ginge man seitens der für die Bildungspolitik Verantwortlichen auf dieses Problem ein, müsste man zugeben, dass man in den letzten Jahren bildungspolitisch ziemliche Sch*** gebaut hat. Und dass es halt doch nötig ist, Geld reinzubuttern, damit mithilfe kleinerer Klassen und qualifizierter und ausreichender Kräfte ALLE Kinder gefördert werden können, bei denen Förderbedarf besteht, so dass dann eben nicht nur Zahnarzts Töchterlein, sondern auch Kindern der sog. "bildungsfernen" Schichten der Zugang zu höheren Schulen ermöglicht wird (wenn sie wollen).

    Entschuldigung. Das ist ein Thema, da "kennt isch misch uffreeche!"

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