2. Februar 2014

Herr Neumaier, Sie haben keine Ahnung!

Es wäre bestimmt interessant, den Arbeitsplatz von Herrn Neumaier zu untersuchen. Wir als Schule haben sehr viel Medienerfahrung, auch und vor allem mit dem BR. Und wenn wir dann sehen, wie gelassen, in welch epischer Breite, von diversen Helfern flankiert, Redakteure einen Beitrag erstellen, sei es im Rundfunk oder im Fernsehen, packt uns der Neid.
Der Herr Redakteur Neumaier bedient in gewohnter Weise die bekannten Vorurteile, wahrscheinlich ohne je eine Woche an einer Schule hospitiert zu haben. Das haben bei uns einige Medienvertreter gemacht, und die haben nicht einen derartigen Quatsch von sich gegeben.
Herr Neumaier, Sie haben keine Ahnung!
Die Sprechstunden liegen meist am Vormittag, damit wir Lehrkräfte für Präsenz und Vertretung haben. Unsere LehrerInnen halten oft genug ihre Sprechzeiten in der unterrichtsfreien Zeit ab.
Arbeitsplätze? Kommen Sie doch mal und sehen Sie nach, ob Sie unter diesen Bedingungen in der Schule arbeiten wollen.
Bei uns ist am Nachmittag kaum ein Klassenzimmer frei, weil der Ganztag, zusätzliche Deutschkurse, der Leseclub, individuelle Lernförderung, die Berufsorientierung  usw. dort stattfinden.
"Privilegiertes Arbeitsleben"? Was meinen Sie damit? Dass manche KollegInnen zwischen 14.00 und 17.00 Uhr nach Hause gehen, die Familie und den Haushalt bedienen und dann um 22.30 Uhr die Lampe am Schreibtisch ausschalten? (Wenn es denn so privilegiert ist, dieses Arbeitsleben, dann ist es doch schade, dass ein Kollege Neumaier an uns vorüber gegangen ist, dann hätte er ja auch davon profitieren können. Schließlich soll es allen gut gehen.)
Herr Neumaier, rufen Sie an, begleiten Sie uns eine Woche lang, ohne Vorurteile.

Kommentare:

  1. Völlig einverstanden. Zugegeben: Ich hätte nichts gegen ein wenig Entschärfung der Arbeitszeit-Extrema, also etwas weniger Arbeit in der Schulzeit und etwas mehr in den Ferien. Aber ich weiß nicht, wie das gehen soll.

    AntwortenLöschen
  2. Aha, jetzt wissen wir es: Wir werden um unseren Job beneidet, weil Herr Neumaier glaubt wir seien privilegiert. Das ist direkt rührend. Sind die Vorgesetzten beim Bayerischen Rundfunk denn so grässlich?
    Herr Neumeier hat seine Erkenntnisse ausgeplaudert und ich war erstaunt wie gut er unseren Arbeitsplatz zu kennen glaubt. Natürlich ist jeder Arbeitsplatz Wandlungen unterworfen. Seiner aber auch und ich hoffe, dass für eine derartig schlechte Recherche, die offensichtlich an seinem Stammtisch stattgefunden hat, die rote Karte gezeigt wird.
    Schlechte Arbeit wird nirgendwo honoriert! Vielleicht sollte Herr Neumaier sich deshalb einfach lieber Themen widmen, die er besser durchschauen kann.

    AntwortenLöschen
  3. Polemik, Herr Neumeier, ist nur dann gut, wenn sie intelligent ist.

    Was uns hier angeht: Selbstverständlich ist es dreist von mir, nachmittags zum Arbeiten nach Hause zu wollen.
    Ich sollte wirklich an der Schule bleiben.
    An einer Schule, die aus Raumnot jedes Jahr Schüler abweisen muss.
    An einer Schule, deren Lehrerzimmer so begrenzt ist, dass kein Lehrer "seinen" Platz hat, ergo keine Materialien liegen lassen kann.
    An einer Schule, deren Klassenzimmer nachmittags durch die Ganztagesschüler belegt sind und abends durch die VHS.
    Selbstverständlich ist es eine Frechheit von mir, berufstätigen Eltern (denn ich bin ja Ihrer Meinung nach eher so eine Art Freizeitsportlerin) Sprechstunden am späten Nachmittag oder Abend zu verweigern. Ich meine, meine Kinder müssen ja nicht vom Kindergarten abgeholt oder abgefüttert und ggf. betreut werden. Ich sollte mich wirklich nicht so anstellen.
    Und schon gar nicht sollte ich mich darüber ärgern, wenn Elternsprechtag angesetzt ist, ich die ersten sieben Stunden durchgehend habe, dann noch ein Gespräch mit Abiturienten und statt zum offiziellen Ende des Elternsprechtags um 19 Uhr gegen 20.30 Uhr aus dem Schulgebäude komme. Mit zwanzig Kursarbeiten unterm Arm und der Unterrichtsvorbereitung vor mir.

    Lieber Herr Neumeier, danke für Ihren überhaupt nicht von Stammtischparolen durchsetzten und selbstredend hervorragend recherchierten Beitrag. Setzen, sechs.

    AntwortenLöschen