31. März 2014

Dienst nach Vorschrift oder: Gemeinsam feiern!

Eine Studie von Gallup sagt, "dass lediglich 16 Prozent der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber haben und auch bereit seien, sich freiwillig für dessen Ziele einzusetzen. Der Rest der Belegschaft leiste Dienst nach Vorschrift (67 Prozent) oder habe innerlich bereits gekündigt (17 Prozent). ...
Wichtig dafür sei neben einem klaren Unternehmensprofil, dass es Gelegenheiten zum gemeinsamen Feiern gebe.
Daneben müsse Mitarbeitern das Gefühl vermittelt werden, dass sich alle in der Firma - vom Chef bis zum einfachen Angestellten - auf eine gemeinsame Reise begeben und jeder Gelegenheit erhalte, sich einzubringen. So seien Beschäftigte auch bereit, Leistungen zu vollbringen, die über das Normalmaß hinausgehen. 'Wer nur Dienst nach Vorschrift leistet, denkt nicht mit und übernimmt weniger Verantwortung - für Innovation reicht das nicht', sagt Heidbrink." ...
Was heißt das für die Schule?
  • Es braucht ein von allen akzeptiertes Leitbild.
  • Einzelkämpfertum muss in Teamarbeit - horizontal und vertikal - umgebaut werden.
  • Stärken der KollegInnen müssen erkannt werden und eingesetzt werden
  • Selbstständigkeit der KollegInnen muss gewollt sein und unterstützt werden
  • gemeinsam feiern!

30. März 2014

Entspannung

"Dass Henri jetzt auf die Realschule geht, habe alles entspannt." In der Reihe "Kinderwelten" berichtet die SZ von einem Jungen, der vom Gymnasium auf die Realschule wechselte, nicht wegen schlechter Noten, sondern weil er Werken als Fach nehmen kann und mehr Zeit zum Spielen hat.
Keine schlechte Entscheidung. Vielleicht sollten Eltern öfter einmal die Schullaufbahnen ihrer Kinder überdenken.

10. März 2014

Good Times oder die Lehrerschwemme 2030


In einer Untersuchung stellen das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) dar, dass es im Jahr 2030 etwa 300 000 Lehrkräfte zuviel gibt, darin eingeschlossen auch andere Berufsgruppen wie Fahrlehrer. An reinen typischen Lehrkräften bleiben aber immerhin noch ca. 210 000 übrig, die keine SchülerInnen haben. Das Ganze ist nämlich dem Geburtenrückgang demografischen Wandel geschuldet.
Es brechen tolle Zeiten an!

Endlich können wir inkludieren, mit 3-4 Lehrkräften pro Inklusionsklasse. Der Ganztag kann ausgebaut werden. Wir können im Team unterrichten. Es gibt genügend Lehrerstunden für kleine Lerngruppen, ja, auch für Einzelförderung.
Herrlich. Kaum auszudenken.

5. März 2014

Inklusion III

Bildungsforscher Preuss-Lausitz fordert in seiner im Februar 2014 veröffentlichten Untersuchung zur Inklusion, die Länder sollten jetzt mal daran gehen, die Kosten für die Inklusion, die in der BRD ja seit 2009 verwirklicht werden soll, auszurechnen. Das dürfte nicht so einfach sein, da es in diesem kleinen Land wieder einmal mindestens 16 verschiedene Modelle von Inklusion geben dürfte. Es ist wie im gebundenen Ganztag: Auch hier darf sich alles "rhythmisiert" schimpfen, egal, ob mit Ein-Euro-Kräften oder mit Kulturpädagogen gearbeitet wird.
Inklusion reicht von der Integration von Kindern mit Lernbehinderung in Regelklassen bis hin zur Aufnahme schwerst körperlich oder geistig behinderter Kinder, abgesehen von Kindern, die aufgrund ihrer Behinderung sehr aggressiv auf ihre Umgebung reagieren.

Und hier gerade lassen sich die Kosten im Gegensatz zu den notwendigen baulichen Maßnahmen schlecht berechnen. Ein Kind mit Lernbegleiter kostet nicht soviel wie ein Kind im Rollstuhl mit Schulbegleitung. Am "billgsten" sind noch die SchülerInnen mit Lernbehinderung, denen in Bayern zwei Jahre lang bei der Integration in die Regelklasse durch Förderschullehrkräfte geholfen wird.
Es wäre an der Zeit, dass Bund und Länder gemeinsam Rahmenrichtlinien erarbeiten, die dann von den Länderparlamenten als gesetzliche Grundlage für Inklusion verabschiedet werden. Dann können auch die Kosten erfasst werden.
Solange kein gesetzlicher Rahmen existiert, lehnen wir die Inklusion auf breiter Ebene ab. Die wird nämlich dann auf dem Rücken der LehrerInnen ausgetragen.

4. März 2014

"Versager im Schuldienst" oder "Schule entwickeln statt Versager abstempeln" (Blogparade)

Wenn es denn sein soll:

A) Gibt es an deutschen Schulen generell zu viele schlechte Lehrer?
  • Nein
B) Woran erkennt man, ob ein Lehrer seinem Job nicht gerecht wird?
  • Krankheiten, Depression
C) Wie sollte man mit solchen Lehrern verfahren (dürfen)?
  • Hier in Bayern sollten sie nach Roseneck. Aber das darf nicht alles sein. Hinterher muss es ja weiter gehen. Kollegiale Supervision, eingebettet in ein Kollegium, das Schule als gemeinsames Projekt begreift
D) Welchen Anteil hat das Lehramtsstudium?
  • Keinen. Ist unzulänglich
E) Was sollte verändert/ verbessert werden?
  • Professionelle Schulentwicklung betreiben. Supervision verbindlich machen, innerhalb der Dienstzeit
F) Sollten die Schulen die Lehrer selbst aussuchen dürfen?
  • Auf jeden Fall
G) Sollte der Beamtenstatus abgeschafft werden?
H) Sollte es eine Art „Belohnungssystem“ wie in der freien Wirtschaft geben?
  • Ja
Christian Füller:
I) Woran gehen die Kollegen denn kaputt?
  • An den steigenden Anforderungen, Herr Füller! Was sollen denn die Schulen noch alles leisten? Irgendwann auch Führerscheinprüfungen abnehmen?
J) Wie entstehen die 30% Lehrer, die laut Schaarschmidt quasi dissoziiert sind?
  • Siehe B)

Zusatz: Krankheit wächst selten auf eigenem Mist.

K) Welche Rolle spielen Kollegium, Schulleitung, Schulbhörde?
  • Das Kollegium ist hier außerordentlich wichtig. Kommunikationsstrukturen, gemeinsame Schulentwicklung, kollegiale Supervision, Teamarbeit und gegenseitige Unterstützung seien hier genannt.
  • Die Schulleitung als gleichberechtigtes Team ist unabdingbar für das Gelingen von Schule, ein Beispiel für das Kollegium, Vordenker in Sachen Lehrergesundheit.
  • Die Schulbehörde ist eher kontraproduktiv in Sachen Problemlösung. Sie sollte sich genau überlegen, ob mehr Verordnungen die Qualität von Schule verbessern. Mehr Ruhe und Unterstützung ist gefragt, nicht mehr Kontrolle und Evaluation. Letztere kann man sowieso in den Kamin schreiben.
 siehe auch:

2. März 2014

Problemschulen sollen schuld sein...

Die skandinavischen Länder gelten ja bekannterweise als Vorreiter im Bildungssystem.
In Schweden zeigen sich ganz neue Tendenzen, konkret abzulesen an den neueren Pisaergebnissen: Schweden, Norwegen und Dänemark liegen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz hinter Deutschland im Mittelfeld.
Schwedische Lehrkräfte haben sich Gedanken gemacht, was denn die Ursachen seien.
  • Problemschulen mit hohem Ausländeranteil? (Anm.: Die SchülerInnen der "Starken Schulen" in der BRD haben allesamt einen hohen Migrationshintergrund.)
  • SchülerInnen nehmen den Stoff langsamer auf, weil sie zuviel mit anderen Inhalten beschäftigt sind.
  • SchülerInnen wollen keine Hausaufgaben mehr machen, nehmen die Schule nicht mehr ernst, strengen sich nicht mehr gern an.
  • Lernen macht den SchülerInnen keinen Spaß mehr. (Nicht alles im Leben macht Spaß, daran sollten Eltern von Geburt ihrer Kinder an denken. Und Kinder müssen auch etwas aushalten können.)
Bildungsfachleute sagen allerdings, dass der erste Fehler 1984 passierte, als nämlich das staatliche Bildungssystem kommunalisiert wurde und die Kommunen
  • schlechter zahlten als der Staat
  • und keine Erfahrungen mit Schule hatten.
Der zweite große Fehler sei die Durchsetzung von Konkurrenz unter den Schulen gewesen:
  • SchülerInnen bzw. deren Eltern durften sich die Schule selbst auswählen, der Sprengelzwang fiel weg.
  • Gleichzeitig wurde Schule in großem Umfang für private Lehrinstitute geöffnet. (Mittlerweile meldete ein sehr großer Bildungsanbieter Insolvenz an).
  • Starker Wettbewerb sollte die Qualität verbessern.
Dem war nicht so. Es bildeten sich Schulen für sozial Starke und sozial Schwache heraus.