8. April 2014

Höllenjob Lehrer ...

... schreibt die SZ in einem Artikel. In einem Gutachten des Aktionsrates Bildung werden Ergebnisse einer Studie - einer der Autoren ist Manfred Prenzel - vorgestellt. Obwohl Menschen, die im Bildungsbereich arbeiten, ihre Berufe lieben, hat sich die Zahl der Krankheitstage und diagnostizierten psychischen Belastungen in den letzten 14 Jahren verdoppelt.
Die KollegInnen sind allein gelassen mit den wachsenden Belastungen.
Was tun?
Erkrankungen ernst nehmen.
Lehrergesundheit groß schreiben und aktiv unterstützen.
Schulentwicklung betreiben, Schule als gemeinsames Projekt begreifen. Solange es heißt "meine Klasse" oder "dein Fach", solange wird sich nichts ändern.

Kommentare:

  1. Tatsächlich kann ich dieser Erfahrung nur zustimmen. Unser Bildungssystem krankt sehr an den alten und verkrusteten Strukturen. Alle Menschen, die im Bildungsbereich arbeiten, bewegen sich als Spielball der Politik und der Medien und werden ständig als Sündenböcke ausfindig gemacht. Die Kinder verbringen zunehmend mehr Zeit in der Schule und der Lehrer wird zur Erziehungsinstanz schlechthin. Sind wir nicht alle mal zur Schule gegangen und deshalb können wir alle mitreden. Der Lehrer soll fördern, inkludieren und modularisieren. Quasi als Allroundgenie. Unterstützt wird er kaum. Die vorgesetzten Schulbehörden haben vor allem die Aufgabe die Kosten zu bremsen und die Politik zufrieden zu stellen. Der Lehrer hat die Loyalitätspflicht und kann deshalb nur abnicken. Schulentwicklung ist in diesem Denken eher hinderlich.

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  2. Die Gesundheit der Kollegen wird nur besser werden, wenn die Belastungen innerhalb des Systems gerecht verteilt werden.
    Dazu gehört Folgendes:
    Warum wir eine Schule für Alle brauchen, aber nicht bekommen
    Warum brauchen wir eine Schule für Alle in Deutschland?
    1. damit Kinder und Jugendliche ihre persönlichen Lernwege gehen können - ohne durch Zeit- und Notendruck entmutigt zu werden
    2. damit Entwicklung und Lernprozess jedes einzelnen Kindes im Mittelpunkt steht - ohne Übertrittsstress und Dramen in den Familien
    3. damit durch schüleraktives Arbeiten nachhaltiges und vernetztes Lernen möglich wird - anstatt frontaler Belehrung und Bulimiepauken für die nächste Prüfung
    4. damit jedes Kind seine Potenziale entfalten kann - anstatt durch Einheitsunterricht im Gleichschritt über- oder unterfordert zu sein
    5. damit Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen inklusive Schulen besuchen können - anstatt ausgesondert zu werden
    6. damit in Ganztagsschulen allen Kindern eine anregungsreiche Umgebung und individuelle Förderung zu Gute kommt - ohne Zusatzausgaben für Nachhilfe
    Warum wir aber keine Schule für Alle in Deutschland bekommen !
    1. Weil eine priviligierte Lehrergruppe (Gymnasiallehrer) um ihre ungerechtfertigten Privilegien (höhere Besoldung A13/A14 , Beförderungsämter (60-70 % Beförderungen), geringere Unterrichtsverpflichtung (25 statt 28 Stunden) , bessere Arbeitsbedingungen (schwierige Schüler wurden schon vorher auf Haupt-, Real- ,Sekundar- oder Stadtteilschulen aussortiert) fürchtet.
    Die Befürchtung ist auch bei begrenzten Finanzen durchaus berechtigt !
    2. Weil die Ministerien und Parlamente von Gymnasiallehrern durchsetzt sind, die auf die Wahrung der Privilegien ihrer Kollegen achten.
    3. Weil die Mittel- und Oberschichtseltern um die Chancen ihrer Zöglinge fürchten, wenn mehr als nötig Unterschichtskinder in Konkurrenz (Studienplätze) zu ihren Kinder stehen.
    4. Weil die Politiker der CDU, CSU, SPD und FDP auf ihre Wählerklientel (Mittel- und Oberschicht) natürlich hören. Unterschichtseltern und Migranten, also der Pöbel, wählen in der Regel ja nicht.
    Merke: Es kommt in Deutschland des Jahres 2014 nicht auf sachliche und auch wissenschaftlich abgesicherte Argumente , sondern nur auf politischen Opportunismus an. Galileo Galilei lässt grüßen, mit dem Unterschied, dass heute alles demokratisch legitimiert und keiner mit dem Tode bedroht wird.

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