12. Juni 2014

Geld und Aufstieg?

Gestern, am 11.06.2014, stellte der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft seinen neuesten Hochschulreport vor.
Die besten Abiturienten können sich nicht vorstellen, Lehrer zu werden, da der Beruf wenig Geld und wenig Aufstiegsmöglichkeiten bietet. Diese Einstellung geht ja noch.
Mit viel Enthusiasmus haben deutsche Lehrkräfte dieses Land in den Pisastatistiken immerhin nach vorne geschubst.
Der ist nötig, um diesen Beruf auszuüben, genauso wie Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, genauso wie das Interesse, in einem funktionierendem Team Schule weiter zu entwickeln. Das wissen junge Leute, die diesen Beruf ergreifen wollen, aber noch nicht.

 
(für Ungeduldige ab 3.20 Min.)
Viel schwerer wiegt aber, dass nur 30 Prozent von denen, die am Lehrerberuf interessiert sind, sich für zielstrebig, noch weniger sich für selbstbewusst halten. Und solchen jungen Kollegen sollte vom Lehrberuf abgeraten werden. Ein Heer von Duckmäusern, von Unentschlossenen? Gruslige Vorstellung.

Kommentare:

  1. Unsere Babysitterin, Abiturientin mit Berufswunsch IrgendwasmitKindernaberbloßnichtLehreroderErzieher, meinte neulich: "Nee, Lehrer ist ja voll schrecklich. Die sagen ja schon alle immer, dass es so ein fürchterlich anstrengender Beruf ist, das will ich nicht machen."

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  2. Ich bin mir nicht sicher, wie zuverlässig diese Selbstaussagen sind. Hätte ich mit 18 Jahren als persönliche Stärke "Selbstvertrauen haben" herausgegriffen? Vermutlich nicht. Ich wusste nicht, dass ich das hatte. Ist bei Leuten, die BWL studieren, das Selbstvertrauen größer? Vermutlich - zum Intellektuellen gehört oft der Selbstzweifel.

    Davon abgesehen: Ja, Unentschlossenheit sehe ich oft bei jungen Lehrern. Mehr als früher? Kann ich schlecht beurteilen.

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  3. An meiner Schule geben viele Referendarinnen als Motivation für die Berufswahl an "...will mal Zeit für die Familie haben..."
    Da möchte ich immer laut losschluchzen. Ein legitimer Wunsch, sicherlich, aber die sind ja von Vornherein und bis auf Weiteres nur mit einem halben Hirn an der Schule.

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  4. Kann es möglich sein, dass der Wunsch Lehrer zu werden von den "vielen Ferien" abhängig sein soll, bzw. vom Bild, das die Medien oder auch unsere Politiker vermitteln? Bei vielen Studiengängen liegt der Reiz darin, möglicherweise Karriere machen zu können und viel Geld zu verdienen. Stellen Sie sich doch einmal eine junge, erfolgreiche Rechtsanwältin vor. Diesen Traum haben Junglehrer nicht, auch wenn sie an den Universitäten im Dunkeln gelassen werden, was sie erwartet und wie sie gewappnet sein können. Vielleicht gut so, denn die Erwartungen an den Lehrer sind nahezu übermenschlich: Aufarbeitung von Erziehungsfehlern der Eltern bis hin zur Betreuung der Eltern, jedes Kind bis zur Hochschulreife führen, sich jedem einzelnen Kind und seinen speziellen Begabungen widmen, sich intensiv didaktisch auf den Unterricht vorbereiten (bei einem Stundenmaß von 28-30), so dass auch die inkludierten Kinder opimal gefördert werden. Nebenbei könnte man nachmittags und in den Ferien Kinder bespaßen, deren Eltern berufstätig sind. So die genialen Zukunftspläne. Selbstverständlich ist da dann die gesamte Kretivität der Lehrkraft gefragt, denn die räumlichen Gegebenheiten sind eher karg bis kinderfeindlich. Vielleicht hält die Schockwirkung der meist sehr sozial eingestellten Junglehrer bis zu Verbeamtung an. Eine gewisse Bequemlichkeit und Überangepasstheit gehören bis heute sicherlich auch zum Lehrerberuf. Dafür schaut man der jungen, erfolgreichen Rechtsanwältin in den Auspuff.

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