24. August 2014

Das Konzept der ersten Web-Schule ...

... stellt sich voll und ganz gegen die Inklusionsbestrebungen im Lande. Das Klassenzimmer ist das eigene Kinderzimmer. Die Lehrerin kommt aus dem Internet via Skype und arbeitet für die Web-Schule in Bochum. Weil ein Junge in seiner alten Schule gemobbt wurde, wird er jetzt zu Hause unterrichtet. Kinder, die zuvor als "schulunfähig" abgestempelt wurden, bekommen so ihre Chance.
Aber was für eine?
Warum wurde der Junge "gemobbt"?
Wie wird mitden Mobbern weiter gearbeitet?
Der Junge, übergewichtig, ohne Sport?
Ohne soziale Kontakte?
Solche Kinder können inkludiert werden.

Kommentare:

  1. Sicherlich ein Traum von überbehütenden Eltern. Beim ersten Problemchen oder wenn der Lehrer nicht gefällt - zack aus der Schule und heim zu Mama und Papa. Bloß nicht den geringsten Misserfolg! Bloß kein Frustrationserlebnis für die Eltern. Der Sprössling braucht sich nicht mehr vor dem PC zu erheben. Neben den Spielchen ein bischen lernen und immer im Blickfeld der Eltern. Ein Albtraum der versorgenden Stellen nach der Schulzeit: Wie soll solch ein junger Mensch den oft recht harten Weg von Berufsausbildung und die Berufswelt ertragen können?

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  2. Können - nur wo und von wem? Ich habe ein an sich leicht behindertes, normal intelligentes Kind. Es braucht Struktur, es ist von Lautstärke und Unvorhergesehenem leicht überfordert, es ist pathologisch brav und seiner Peergroup sozial nicht gewachsen. Diagnostizierter Förderbedarf. Schulhelfer gibt es nicht, Doppelsteckungsstunden kommen nicht in der Klasse an, Sozialpädagogen gibt es nur für die Klassen 1-3, Rückzugsmöglichkeiten gibt es nicht mangels Räumlichkeiten und wegen Haftungsproblemen wenn ein Kind sich allein irgendwo aufhält. Im letzten Schulhalbjahr ist das Kind jeden Montag tapfer zur Schule gegangen und lag dann ab Montagabend tagelang mit schlimmster Migräne zu Hause. Schulstoff nachholen am Wochenende, Montag in die Schule, Dienstag wieder Migräne. Was bringt es mir, dass das Kind theoretisch bei guten Bedingungen inkludiert werden "kann", wenn es mir jetzt aktuell zusammenbricht? Wenn das nächste Schuljahr ähnlich verläuft, droht uns genau das: Dauerkrankschreibung. Kind alleine zu Hause. Und mit ganz, ganz viel Glück ein Angebot wie die Webschule, sonst eben: gar kein Schulunterricht.

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    1. Doch, eine Förderschule mit kleinen Gruppen! Oder garantiert kleine Fördergruppen in der Regelschule. Das wäre es doch!

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    2. Natürlich wäre es das! Schon eine ruhige Ecke im Klassenzimmer, ein Teilungsraum, eine sonderpädagogische Kraft für 2-3 Stunden am Tag für die Klasse (mit 5 Integrationskindern - 2 emsoz, 1 lb, 1 hörbehindert, 1 Autist) wären was. Solange das aber alles nicht ist (für die Förderschule ist das Kind wiederum nicht behindert genug), haben wir die Wahl zwischen gar keiner Beschulung oder allem, was das Internet hergibt. Das Problem liegt nicht darin, dass es zum Glück mittlerweile Angebote gibt, die das Lernen zu Hause möglich machen. Das Problem liegt darin, dass man so ein Kind zwar inkludieren KÖNNTE, aber nicht kann, weil die Ressourcen nicht da sind.

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    3. Das kann man wirklich nicht: Auch wenn eine Förderschullehrkraft der Klasse zur Seite stände - bei einer großen Vielzahl von Behinderungen ist auch sie überfordert. Eine Regelklasse in Bayern kann 30 Schüler oder womöglich noch mehr haben. Hat sie auch an vielen Orten. Stellen Sie sich dann das vor: Glauben Sie im Ernst, dass Ihr Kind dort annähernd adäquat gefördet werden kann, dass es die Möglichkeiten erhält, damit es das Beste, was möglich ist, aus sich heraus holen kann? Ich denke, dass es ziemlich vermessen ist, so zu tun, als ob jede Behinderung eine kleine "Schwäche" ist, die sich auswächst und im täglichen Umgang mit Regelschülern lösbar. Damit wird man einer Behinderung nicht gerecht. Das ist diskriminierend! Irgendwann heißt es dann: Ja, wenn derjenige sich mehr angestrengt hätte... wenn die Eltern sich mehr gekümmert hätten... wenn die Lehrer nicht so blöd gewesen wären und vor allem nicht so bequem und fortbildungsrestistent... Schauen Sie sich bitte die entsprechenden Fortbildungsprogramme für Regellehrkäfte an - sie werden dort emotional und ethisch auf die Aufgabe eingstimmt, auch rechtlich, aber nicht mit den spezifischen Problemen vertraut gemacht. Förderschullehrer werden in ihrer Ausbildung gezielt für spezielle Behinderungen ausgebildet, können gezielt Maßnahmen ergreifen. Natürlich hat dies seinen Preis! Italien steht an der Spitze der inklusionswilligen Länder, wird auch von allen Inklusionsbefürwortern ständig angeführt. Im eigenen Interesse forschen Sie doch mal nach, wie dort die Inklusion aussieht!

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