13. Juni 2015

Namenlose Tabuzone

Heute fuhr ich mit dem Fahrrad durch die Stadt Puchheim, die Lagerstraße entlang. Zu Beginn der Lagerstraße sind mehrere Wegweiser, auf denen u.a. "Realschule" und "Gymnasium" steht.
So weit, so gut.
Die erste Schule allerdings, auf die man stößt, ist die HauptMittelschule des Ortes. Kein Hinweis darauf.
Ortswechsel.
2010 wurde die Schule, an der ich arbeitete, als einzige deutsche Hauptschule für den Deutschen Schulpreis nominiert. Beim Abend der Familie Bosch in Berlin wurden alle anwesenden Schularten genannt. Den Moderatoren kam der Name "Hauptschule" nicht über die Lippen.
Ortswechsel.
Einem Schüler der 4. Klasse wurde von seiner Lehrerin gesagt: "Wenn Du nicht richtig lernst und den Schnitt für den Übertritt nicht schaffst, musst Du nächstes Schuljahr in die Tabuzone."

1 Kommentar:

  1. Viertklasseltern warten auf den Probeunterricht für das Gymansium bis Mai, Sorgen macht man sich schon seit der ersten Klasse. Schon in der allerersten Sprechstunde in der ersten Klasse fragt man nach der Gymnasialeignung, man muss sich ja vorbereiten mit Nachhilfe, Psychologen,... Auch wenn das Kind schon in der Tabuzone ist, dann muss es wenigstens eine M - Klasse sein (also nur mit einem Bein im Dreck). Die Entscheidung fällt am Schuljahresende. Die Aufnahmeprüfung ist erst am Anfang in den Sommerferien. Manche haben dann schon den Urlaub gebucht -tja, Pech gehabt! Man muss eben Prioritäten setzen. Ein weiteres vermeintliches Entgegenkommen: Jahr für Jahr wird der Notenschnitt als Zugangsvoraussetzung um 0,33 Punkte moderater. In die zweijährige Wirtschaftsschule kann man mittlerweile mit erfolgreichem Mittelschulabschluss wechseln. Jetzt erklären die Schüler, dass wenn sie ihren Quali nicht schaffen, sie an die Wirtschaftsschule gehen.
    Endlich können die Bösen ausgemacht werden: das sind die Lehrer! Die lassen nämlich das Kind nicht weg. Die zwingen es in die Tabuzone.
    Die Hysterie, vor allem der Eltern, die auch den Nachwuchs damit anstecken, nimmt monatlich zu. Jetzt muss es eine Privatschule sein, die zahlt man ja und deshalb hat sie sich gefälligst zu kümmern. Zumindest eine private Mittelschule (wenn alle Stricke reißen, die Nachbarn sollen zudem nichts mitbekommen), da kommen auch die Schauergeschichten nicht vor, die man sich so von der zuständigen Sprengelschule gegenseitig, schauernd, aber genussvoll, erzählt. Mittelschule, da ist es ja so schrecklich, Drogen, Schlägereien, (es gibt Tausende solcher schrecklichen Schulen, die Tabuzone ist gewaltig).
    Verständlich, dass man da nicht noch mit einem Hinweisschild daran erinnert werden will, dass man an diesem Ort auch eine Tabuzone unterhalten muss.

    AntwortenLöschen