27. Mai 2016

Bildung in Tower Hamlets, London



Der ärmste Londoner Bezirk zählt, was die Bildung von Kindern und Jugendlichen betrifft, zu den leistungsmäßig besten im ganzen Land. Das berichtete die taz am 25. 05.2016.
Die Bevölkerung setzte sich 2008 aus 54,5 % Weißen, 34,0 % Asiaten, 5,0 % Farbigen und 2,6 % Chinesen zusammen. Die Kinderarmut (und die der Eltern?) liegt bei 50 %.
Tower Hamlets Map - V2 - Small

In Tower Hamlets leben heute viele Einwanderer aus Indien, Pakistan und vor allem Bangladesch, sowie aus Somalia. Der Borough hat den höchsten Anteil an Muslimen in ganz Großbritannien (etwa 36 %, der Landesdurchschnitt beträgt ca. 3 %).
Wie können die Schulen dort ihre Schüler so gut qualifizieren?
1997 wurde die konservative Regierung abgelöst durch Labour. Ein Erziehungsprogramm ("Education, Education, Education") wurde aufgelegt, welches 2003 spezifiziert wurde ("The London Challenge"). Begleitet wurden diese Maßnahmen von vielen anderen, z. B. der Einschulung von Kindern mit bereits 4 Jahren, um die Sprachdefizite nicht zu groß werden zu lassen. Die Schulen bekamen z. B. besonders gute Lehrkräfte zugewiesen (Was in Bayern nicht möglich ist: Es kommt, wer kommt). Es arbeitenen viele externe Partner mit, von Banken, von Geschäftsleuten, die in ihrer Mittagspause mit SchülerInnen lesen (Besser wäre es, die Unternehmen würden pro Frau/Mann eine Stunde Arbeitszeit spenden). Elternarbeit, unkonventionelle Unterrichtsmethoden und vieles mehr kamen dazu.
Es geht also doch.

Kommentare:

  1. Ja, es geht! Auch in Deutschland und in Bayern. Man könnte jedoch Einiges hinterfragen. Beispielsweise was die externen Partner angeht. Dabei handelt es sich offensichtlich um Ehrenamtliche. Das staatliche Programm reichte offensichtlich nicht aus. Positiv empfunden habe ich, dass besonders qualifizierte Lehrkräfte im Problemviertel eingesetzt wurden. Tatsächlich qualifiziert es Lehrkräfte fachlich, unter solch anspruchsvollen Bedingungen zu arbeiten. In Schulen problematischer Viertel finden sich meist die besten Lehrer. Allerdings sollte sich der Staat nicht darauf verlassen, dass immer und jederzeit Ehrenamtliche einspringen. Ein bisschen auf die Tränendrüse drücken... Das ist unfair. Solch zentrale Themen sind Aufgaben des Staates und er kann sie nicht auf Ehrenamtliche abschieben. Natürlich ist bei den knapp bemessenen Mitteln jeder Schulleiter froh, wenn wenigstens Ehrenamtliche einspringen.

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  2. Ich finde es zeigt auch schön dass "bildungsfern" aufzuwachsen (Familien von Arbeitern, Einwanderern, Arbeitslosen) kein "Schicksal" ist, das man nicht ändern kann. Kinder wollen lernen und können das. Man muss ihnen aber helfen.
    Jetzt kann man das durchaus gut oder nicht gut finden mit dem "Schule ab 4 Jahren", keine Frage, aber es kann in einem sozialen Brennpunkt, gerade in einem mit vielen Migranten, einen großen Unterschied machen.

    Das mit den Externen finde ich aber auch nicht ungefährlich. Die muss man sehr sorgfältig auswählen, denke ich, denn sie haben viel Einfluss auf die Kinder. (Ich denke dabei an Firmen und Organisationen, weniger an Einzelpersonen.)

    Ich stelle mir gerne vor wie ein solches Programm mit der Sprachförderung und dem Engagement durch den Staat (von mir aus auch Land, aber vielleicht sollte man das mit dem "Bildung = Ländersache"-Paradigma auch überdenken) in Deutschland funktionieren könnte, man denke an Offenbach, Mannheim oder Pforzheim (also mal Städte mit vielen Menschen mit Migrationshintergrund die ich kenne als Beispiel, ich denke da könnte man die schnellsten langfristigen Erfolge erzielen. Schätze das gilt im Grundsatz aber genauso für alle Großstädte, wenn auch mit anderen Schwerpunkten je nachdem).

    Gruß
    Aginor

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