8. August 2016

Mathe, Deutsch, Muttersprache

So betitelt die SZ einen Artikel, der über den Muttersprachlichen Ergänzungsunterricht (MEU) geht. Ich will jetzt nicht den Inhalt wiederholen, dafür ist der Link da.
Ich kann aber über Jahrzehnte bayerischer Schulpolitik sprechen.
Als ich noch Junglehrer war, gab es die muttersprachlichen Klassen, in München natürlich hauptsächlich türkische.
Die Lehrkräfte kamen aus der Türkei, wurden aber von bayerischen Staat bezahlt. Der Unterricht sah so aus, dass er in allen Fächern von deutschen Lehrern in Deutsch gehalten wurde, aber ein muttersprachlicher Lehrer jeden Tag in der Klasse muttersprachlichen Unterricht erteilte. Das war nicht schlecht. Neulich war ich auf einem Klassentreffen, zu dem auch die damalige Türkischklasse eingeladen war. Die ehemaligen SchülerInnen, mittlerweile in der Mitte des Lebens angelangt, sind gut integriert.
Dann schaffte man diese Klassen ab und es gab Muttersprachlichen Ergänzungsunterricht (MEU) in den Sprachen der Entsendestaaten (= Staaten, aus denen die ersten Gastarbeiter kamen). Dieser fand außerhalb des Regelunterrichts statt, nachmittags und oft mussten die Schüler quer durch die Stadt reisen, um Untericht in ihrer Muttersprache zu erhalten. Oft konnten die MEU-Lehrer kaum ein Wort Deutsch - also nicht gerade ein Vorbild für ihre SchülerInnen.
In den 2000er Jahren wurde auch der MEU stillgelegt. Konsulate übernahmen die Aufgabe des muttersprachlichen Ergänzungsunterrichts, konnten aber bei weitem nicht die entstandene Lücke füllen. Die MEU-Lehrer wurden heim geschickt bis auf einige wenige, die schon zu lange in der BRD unterrichteten.
Im Viertel meiner Schule wird von den türkischen Eltern (es gibt kaum andere Nationalitäten) und ihren Kindern sehr schlecht Deutsch gesprochen, weil die jeweiligen Ehepartner fast immer aus der Türkei kommen und so zu Hause nur Türkisch gesprochen wird.
Man dachte immer, dass die 2. oder 3. Generation sich besser auf Deutsch verständigen kann - in "meinem" Quartier ist das bis heute ein Irrtum.

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