12. Juni 2012

Bankrott der Ideen

Arbeitslos werdende Schlecker-Frauen sollen Erzieherinnen werden - so die neueste Hüftschussidee der Bundesregierung bzw. einer ihrer Ministerinnen. Schlecker-Frauen, zumeist schon in fortgeschrittenem Alter, sollen umschulen auf einen Beruf, der zu den wohl anstrengendsten, am schlechtesten bezahlten, aber auch wichtigsten im Bildungswesen zählt: Erzieherin.
Schreiende Kleinkinder, Einzelprinzen und -prinzessinnen sollen sozialisiert werden. Die Erzieherinnen sollen in diesem Krabbel- und Pups- und Kleckerinferno immer ruhig, geduldig bleiben, sollen mit ihrer Klientel dann so nebenher auch noch Vorschularbeit leisten, ihr Grundkenntnisse in der deutschen Alltagssprache vermitteln, Umgangsformen bei- und unter bestimmten Bedingungen manche Werte näher bringen.
Das alles soll jetzt die Schlecker-Frau machen. Sie, die vor langer Zeit einmal Verkauf oder Einzelhandel gelernt hat. Aber es stimmt schon, der gemeinsame Nenner der beiden ansonsten äußerst unterschiedlichen Arbeitsbereiche sind der miese Verdienst und die den Verkäuferinnen und Erzieherinnen gleichermaßen drohende Altersarmut. Frau Schröder, die solche Ideen gebiert, ihrerseits aber einmal sicher nicht in der Altersarmut landen wird, sagt damit aber noch mehr. Der Subtext ist doch einfach, dass in den Bereich der vorschulischen Erziehung nicht investiert werden soll. Das war ja mitdenkenden Bürgern spätestens seit der Einführung des Betreuungsgeldes klar. Die verdienende Mittelschicht ruft das Geld nicht ab, die schickt ihre Kinder nach wie vor in die Krippen und Kindergärten. Aber die Hartz-IV-Empfänger und kinderreiche ausländische Mitbürger werden dadurch nicht motiviert, ihre Kinder jeden Morgen in den öffentlichen Kindergarten zu bringen. Durch die Lockung des Geldes wird staatlicherseits eine noch tiefere Spaltung der Gesellschaft betrieben.
Die Lösung, seit 1990 bekannt:


 

 Hierzu siehe auch: Klick!

Kommentare:

  1. Armes (Bildungs)Land Deutschland, kann ich da nur sagen.
    Die Zeit, die für die Entwicklung eines Kindes am wertvollsten angesehen wird und folglich mit dem bestausgebildetsten Personal in Kindergärten und Kinderkrippen ausgestattet bzw. gefördert werden sollte, erfährt mit der Äußerung solcher Ideen eine Geringschätzung, dass mir fast die Worte fehlen (obwohl vielleicht die eine oder andere Schlecker-Verkäuferin auch eine gute Erzieherin abgeben wird). Aber mit einer halbjährigen Umschulung ist es ja nicht getan.
    Gleichermaßen ist es eine Geringschätzung bzw. Unterschätzung der wertvollen und wichtigen Arbeit, die tagtäglich in den Kigas und Kitas von professionell ausgebildeten Kräften geleistet wird.
    Und, ganz ehrlich, diese Denke war nicht erst bei Einführung des Betreuungsgeldes klar, sondern bereits, als Frau Schröder ihr Amt angetreten hatte...
    Von der OECD hat sie bzw. die Riege der Befürworter des Betreuungsgeldes ganz aktuell schon ihre Watsche bekommen. Mal sehen, wie viele noch folgen...

    Viele Grüße aus München, Michaela

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    1. Vielen Dank für den fundierten Kommentar. Sind Sie Lehrerin hier in München?

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    2. Ja, das bin ich :O)
      Ich unterrichte eine Oberstufenklasse an einem Münchner Förderzentrum und verfolge Ihren Blog schon seit langer Zeit mit großem Interesse, bisher aber nur als "stille Leserin".

      Vom gestrigen Beitrag animiert, wollte ich jetzt endlich mal mein Schweigen brechen...

      Viele Grüße,

      Michaela

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    3. Wir arbeiten mit einem Förderzentrum seit 9 Jahren zusammen. Etwa mit Ihrem? Kooperationsklassen und Inklusion einzelner Schüler.

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  2. Das kann ich nur unterschreiben!

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