Mittwoch, 15. September 2021

Tag 552: Stallerkapelle

H. wuchs im Innviertel auf, das ja rechts und links des Inn ist: "Ent und Herent" (=Hüben und drüben).
Ent oder "drent" lagen Braunau und Ranshofen, was für Bayerische Jugendliche viel interessanter war als das verschlafene Simbach.
Aber eigentlich war die ursprüngliche Heimat Stubenberg.

Blick nach "drent", nach Oberösterreich Richtung Simbach/Braunau. Und nicht weit vom Elternhaus war die "Stallerkapelle", auf halber Höhe mit Blick über das Inntal bis weit nach Österreich hinein. Früher gesäumt von zwei Linden, von denen eine 2010 gefällt werden musste. Der Bauer, der sie fällte, wollte aus dem Stamm eine Marienstatue machen lassen, erlebte das aber nicht mehr. Verwandte nahmen sich seines Wunsches an.

Bilder: Passauer Neue Presse

Mit der Austragsbäuerin ging H. in die Grundschule. Sie ist so alt wie er und hat am selben Tag Geburtstag.

Dienstag, 14. September 2021

Tag 551: Den Eggarten besucht

Am Sonntag den Eggarten besucht.Das ist eine Siedlung ein Gebiet zwischen Lasallestraße, Wilhelmine-Reichard-Straße, Feldbahnstraße und Frankfurter Ring. Zwischen Moosach und Feldmoching. In den 1920er Jahren stellte die Vorgängerin der Schlösser- und Seenverwaltung, die Bayerische Krongutsverwaltung, Grund auf Erbbaurecht bis 1999 zur Verfügung. Rasch entstand eine Siedlung mit großen Nutzgärten, einem Gasthaus, einem Lebensmittelgeschäft und einer Kirche. Ab 1938 wurden viele Bewohner zum Zwangsverkauf gedrängt, weil dort von der Reichsbahn ein Verschiebebahnhof geplant war. Im Herbst 1939 wurden einige Häuser abgerissen. In unmittelbarer Nähe, an der heutigen Lassallestraße gegenüber der Einmündung der Wilhelmine-Reichard-Straße, wurde das Lager Eggarten errichtet, ein Zwangsarbeiterlager des Reichsbahnausbesserungswerkes Freimann. Durch Bombardierungen wurden im Krieg weitere Häuser der Siedlung zerstört.

1990 plante die DB als Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn dort einen Rangierbahnhof. Dieser wurde weiter entfernt gebaut. Der Eggarten fiel im Verlauf der Jahre an verschiedene Investoren, die das Gebiet mit Gewinn weiter verkauften. 2014 waren noch 10 Häuser bewohnt. 

 So sah die aufgelassene Siedlung im März 2021 aus.

Jetzt werden die 21 Hektar im Auftrag der Landeshauptstadt bebaut. Grüne und SPD stimmten dafür (!). Die umwohnende Bevölkerung ist strikt dagegen und möchte das Gebiet als grüne Lunge erhalten haben. Alternative: Die Siedlung wieder  aufbauen. Aber der Zug ist schon abgefahren.

Beton, Beton.

Montag, 13. September 2021

IAA-Gegner: Durch die Bank Siege vor Gericht

Die SZ (Bernd Kastner) berichtete am 13. September, um 18:26 Uhr:

Präventivhaft: Aktivisten bei Protest gegen IAA zu Unrecht eingesperrt

Die Polizei scheiterte vor Gericht damit, Anti-IAA-Aktivist:innen in Präventivhaft nehmen zu dürfen, in erster und auch mal in zweiter Instanz.

Die Gerichte sagten, die Taten seien wahrscheinlich strafbar gewesen, dennoch habe die Polizei keine Präventivhaft verhängen dürfen, da eine Wiederholung sehr unwahrscheinlich gewesen sei. Und Sicherheitsgewahrsam dürfe nur verhängt werden, wenn weitere Taten "von erheblicher Gefahr für die Allgemeinheit" zu erwarten gewesen wären.

Zwei Münchner Richter haben in erster Instanz den polizeilichen Antrag auf Sicherheitsgewahrsam abgelehnt.

Die SZ:
"Ein Richter wertete die Aktion auf der Schatzbogen-Brücke über der A 94 als Versammlung, selbst ohne formale Anmeldung. Weil die Polizei diese Versammlung nicht aufgelöst habe, habe während des Einsatzes das Versammlungsrecht gegolten. Und damit sei eine Gewahrsamnahme rechtswidrig. Auch eine Richterin entschied zugunsten der IAA-Gegner: Um Präventivgewahrsam zu verhängen, müsse "die Begehung einer Straftat unmittelbar" bevorstehen. Das aber sei nicht zu erwarten: "Die ,Abseilaktion' an der Autobahn ist beendet." Für "weitere konkrete Taten" gebe es keine Anhaltspunkte, eine "allgemeine Möglichkeit weiterer Aktionen" sei für eine Gewahrsamnahme nicht ausreichend. Die Aktivisten wurden von Anwälten eines Notdienstes vertreten. Die Polizei äußerte sich auf SZ-Anfrage zunächst nicht zu den Richtersprüchen."

Jetzt steht noch die juristische Auseinandersetzung um die Gewahrsamnahme von vier Jounalist:innen an. Sie wurden kontrolliert, durchsucht und in Gewahrsam genommen, obwohl sie akkreditierung und Jounalistenausweise gezeigt hätten.
Gut, dass es noch unabhängige Richter:innen gibt. So geht`s ja wirklich nicht.

Tag 550 und Zerstörung eines Ortskerns

Wie schon oft gesagt bzw. geschrieben, spielte das Innviertel für das Aufwachsen ab der einsetzenden Pubertät eine große Rolle. Simbach und Braunau sind gegenüberliegende Städte, auch die Annexion Österreichs 1938 erfolgte über diese Grenzstadt.

Simbach selbst ist langweilig, hatte aber ein Gymnasium. Braunau hatte Cafés, Tanzcafés, Weinlokale und viele kleine Geschäfte, einen sehr schönen Stadtplatz und eine lebendige Drogenszene. Die Schmugglerroute von Italien nach Deutschland lief damals über die Innbrücke und die Eisenbahnbrücke.

Das war die Hoftaverne in Ranshofen, Oberösterreich, eine Wirtschaft seit 1562, oder der "Unterwirt". (Der "Oberwirt" ist die Schlosstaverne, das Gasthaus im Schloss Ranshofen.) Sie wurde auch "da Woifgruaba" genannt, nach den beiden Wirten Wolfgruber. Die Hoftaverne befand sich im Ortskern von Ranshofen, am Brunnen mit der Mariensäule, schräg gegenüber dem ehemaligen Dorfrichterhaus (beide Bilder wikipedia.org).

 

 

 

 

 

 

 

Sie war ein sehr schönes, ehrwürdiges Gasthaus, mit alten Gasträumen, Nebenräumen, Gewölben und einer Innviertler Küche (legendär der Knödelteller: Dreierlei gefüllte Knödelchen auf Sauerkraut), und den entsprechenden Bedienungen, bei denen einem das innviertler Herz aufging. Schön war auch der Gastgarten. Vor etwa 10 Jahren hörten die beiden Wirtsbrüder auf und übernahmen im nahen Braunau die Altdeutsche Weinstube, die mittlerweile auch geschlossen ist.

Dann, vor etwa vier Jahren, stieg ein Investor ein, kaufte Wirtschaft, Nebengebäude und Grund und stellte einen Abrißantrag, dem der Braunauer Stadtrat zustimmte. Am selben Ort soll das Haus originalgetreu wieder aufgebaut werden, mit einem Hotel, einer Gastronomie, einem Café und dem Biergarten.

Jedenfalls ist der Eindruck des alten Gasthauses mit den Stallungen, Nußbäumen und dem Hang zum Schloss hinauf zerstört, da Hotelbau und Garagenstellplätze den Platz dahinter einnehmen. Was "originalgetreu" heißt, bleibt abzuwarten.


Wenn man in der Gegend aufgewachsen und immer wieder zurückgekehrt ist - die Mutter lebte ein paar hundert Meter entfernt - dann tut das weh, sehr weh.

Sonntag, 12. September 2021

Tag 549 und 12 von 12 am 12. September

Der Ökoesel, ein Bioladen auf genossenschaftlicher Basis in einem Münchner Neubauviertel.

Das ist ein zerschnippelter Steinpilz kurz vor dem Risotto mit ihm.

Eine Libelle, die sich leider nie still hielt.

Der Obstgärtchennachbar baute eine Barriere, was für die zaunnahen Apfelbäumchen nicht schön ist.

Ein Sehnsuchtsort, trotz Bretterbarriere.
 Auch für die Biene ein Sehnsuchtsort, die Herbstanemone.
 Lachssemmel und marinierter Saibling beim Fischer Sebald am Starnberger See, Ammerland.
Wespenfütterung.
Nachschub an Zitronen.
Und hier für nächstes Jahr.
Irgendwas blüht immer.

Igelfütterung.

Samstag, 11. September 2021

Tag 548 und die Polizei auf der IAA

Am Morgen war es gut auszuhalten im Wintergarten bei 18°C und 17° draußen. Ein Eichkätzchen turnte wenige Meter entfernt in der Haselnuss und schimpfte unentwegt, obwohl Herr Kater ganz woanders war. Haselnüsse gibt es schon seit Jahren nicht mehr für die Hausbewohner. Sie werden von den Tieren geerntet.
Sudokumäßig läuft H. wieder zur altgewohnten Form auf. Die schwierigen aus SZ und Guardian wurden problemlos gelöst.
Das Hausamselpaar ist stark in der Mauser. Er badet gerade ausgiebig im Wassertümpel. Eine Meise sucht die Zitrusbäumchen ab und pflückt Insekten heraus. Und der Kater schläft und lässt sie in Ruhe. Er ist ja alt und satt.

Der Efeu am Haus blüht und lockt Insekten an, bald auch Schmetterlinge.


Die Polizei geht äußerst rüde gegen die IAA-Gegner vor und behindert auch die Arbeit akkreditierter Journalisten(Quelle: Tageszeitungen). H. berichtete von der staatlich belagerten Innenstadt schon am Mittwoch. Die IAA-Gegner sind sehr kreativ und haben keine Angst, auch wenn viele Konsequenzen spüren müssen. Ein derartiges Polizeiaufgebot (4.500 Beamt:innen) und polizeiliches Durchgreifen würde man sich gegen Rassisten und Antisemiten und sonstige Rechtsradikale sowie Querhirnis wünschen. Und dass Journalist:innen geschützt anstatt behindert werden! Aber da sind die Ordnungsorgane immer in "Unterzahl" und können nichts machen. Eigentlich wollte H. an der Radlsternfahrt teilnehmen, aber es ergab sich eine Verabredung mit einer alten Dame. Das geht dann doch vor. Wie er schon sagte, er wird für Prozesskosten spenden.

 

Der Blog ist an eine Grenze gekommen: Dicht machen? Nur über das, was einen in Politik und Gesellschaft ärgert, schreiben? Oder nur über Musik und Literatur? Es wird sich demnächst sortieren.

Mittelschule: So ist es.
Leider mit viel Werbung, aber die Situation ist von Frau Fleischmann gut beschrieben.

Gehört: The Last Night Of The Proms live aus der Royal Albert Hall.

Gegessen: Den Rest Die Parmigiana von gestern als Lasagne mit sehr buntem Salat und einem Glas Chianti Colli Senesi.

Gelesen: Die Tageszeitungen.

Freitag, 10. September 2021

Tag 547 und Geschichte Nr. 3 für N.

Es wurde wärmer. Draußen 15°C, im Wintergarten 17. Gut zum Aushalten.

Kleines Frühstück, mittelschweres Sudoku und dann ein Stück München angeschaut, wie so oft schon. Diesmal fiel die Wahl auf die Grünanlage hinter dem Schwabinger Krankenhaus, in deren Mitte das Maschinenhaus der Klinik war, besser gesagt eigentlich das "Kesselhaus". Es liegt ein ganzes Stück entfernt von den Krankenhausanlagen, aus guten Gründen.

"Kesselhaus" hießen die Gebäude großer Anlagen oder Fabriken, in denen die Energie bereitgestellt wurde: Strom, heißes Wasser, Dampf für die Dampfheizungen usw., oft die Wäscherei und die Handwerkerwerkstätten nebenan. Das Kesselhaus des Schwabinger Krankenhauses ist heute ein Platz für Künstler, man kann es schon von außen sehen.

Drinnen sieht es so aus: Auf mehreren Ebenen arbeiten Künstler, der Zugang war am Vormittag (noch?) nicht gestattet. Ganz hinten sieht man die Kessel, von denen der Name herrührt.

Die Natur beteiligt sich auch an der Gestaltung.

Es ist interessant, was man in einer Stadt alles findet. Der Tipp: Einfach zu Fuß oder ganz langsam mit dem Rad losziehen und die Augen offen halten.

Als am Nachmittag frühen Abend die Bauarbeiten aufhörten, eine halbe Stunde im Liegestuhl gedöst. Dösen ist wunderbar.

Die neue Hausmeistergeschichte:

Es wurde viel Mobiliar umgestellt an der Schule, da der Ganztagsbetrieb es erforderte. Kleine Klassenräume wurden reaktiviert und sie brauchten natürlich auch eine Garderobe. Der Hausmeister stellte sich mittlerweile als Sparbüchse heraus; er recycelte alte Möbel und baute etwas Neues daraus, führte kleine Reparaturen selbst aus oder er fand im Keller unter der Zweifachturnhalle Dinge, die dort schon seit 1970 lagerten, aber immer noch gut zu gebrauchen waren.
Anstatt jetzt eine neue Garderobe bei der Landeshauptstadt zu bestellen, hatte er die Idee, eine nicht gebrauchte aus dem oberen Bereich der Turnhalle in das Schulgebäude zu transportieren. Aber wie? Das Möbelstück sah so aus: Eine vier Meter lange Bank mit oben angebrachten Haken für die Kleider, unten eine Vorrichtung zum Abstellen der Schuhe (Es gab nämlich Hausschuhpflicht an der Schule, auch für das Lehrpersonal, was Reinigungskosten sparte). Gewicht: 60-70 kg. Man hätte jetzt natürlich eine Spedition beauftragen können, was wieder ein paar hundert Euro gekostet hätte. Langer Rede, kurzer Sinn: Er und H. schleppten trugen das Stück die dreifach gewundene Treppe von der Turnhalle hinunter, hievten sie etwa 100 Meter über Gänge und wieder eine Treppe mit über 20 Stufen hinauf, um sie dann an ihrem zugedachten Platz platzieren zu können. Seit diesem Tag hatte H. einen dicken Stein im Hausmeisterbrett.
Mittags machte er immer von 12 bis 14 Uhr Pause. Die war ihm heilig, und H. auch. Wenn also Lieferanten oder Handwerker in dieser Zeit kamen, empfing H. sie. "Bist du da Hausmoasta?" "Naa, i bin da Helfer." So wurden die allermeisten Sachen geregelt oder in Angriff genommen, bis er aus seiner Pause kam. Über die Jahre wurde er höchsten fünf Mal wach geklingelt.

Gehört: Schackenborg Festival Kammermusik
Christian Tetzlaff, Violine; The Danish Clarinet Trio
Johann Sebastian Bach: Partita d-Moll, Chaconne, BWV 1004; Per Nørgård: "Spell"; Béla Bartók: "Kontraste"; Carl Nielsen: Präludium und Presto, op. 52; Johannes Brahms: Klaviertrio C-Dur, op. 87
Aufnahme vom 13. August 2021
Sehr schöne Klarinettenmusik.

Gelesen: Giovannis Zimmer

Gegessen: Parmigiana di Melanzane Grigliata nach einem Rezept von Rachel Roddy.