Dienstag, 25. Januar 2022

Tag 675 und ...

... Leere. Dafür ein Garten voller Baumschnitt. Und Müdigkeit.

Montag, 24. Januar 2022

Tag 674 und eine zweite Dame der deutschen Literatur (II)

Renate Rasp, sie erregte Aufsehen und irritierte ihre männlichen Kollegen, als sie 1968 auf der Buchmesse barbusig las. Ähnliches hatten die SDS-Studentinnen vorher getan, Limpe Fuchs hinterher. Neben Gisela Elsner und Gabriele Wohmann galt sie als die "Amazone mit dem bösen Blick" (Quelle vergessen).

Ihr bekanntestes Werk war der "Ungeratene Sohn" (1967). In dieser absurden Geschichte geht es um ein Kind, das vom Stiefvater zum Baum umerzogen werden soll, beschnitten wie ein Baum, gedüngt und gewässert wird, bis es Zeit ist, ihn im Garten auszusetzen.

Später dann wurde es ruhiger um sie. Sie veröffentlichte einen Gedichtband und 1973 "Chinchilla. Leitfaden zur praktischen Ausübung" (der Prostitution), 1979 den Roman "Zickzack".

Ein Gedicht:

Bildnis

Ich rasiere
mir den Kopf.
Ohne Zähne
sehe ich dich
aus zwei dicken
Warzen an.
Mein Mund
wenn ich lache!
Ich bin fleckig.
Ich antworte
mit Gestank.
Meine Fingerspitzen
sind scharf und
ich säge Holz
mit den Händen.
Ich fühle mich
kalt an. Wenn
ich aufstehe
bleibt auf
dem Stuhl eine
Haut zurück.
Ich fresse
meinen eigenen Dreck.
Ich bin Dreck
in einem Haufen
schmutziger Wäsche.
Sage bloß
daß du mich nicht liebst, jetzt!

2015 starb sie - beinahe unbemerkt. Willi Winkler von der SZ rief ihr nach.

Sonntag, 23. Januar 2022

Tag 673 und ein Stolpern über Gabriele Wohmann (I)

Es ist fast schon wieder ein täglicher Blog - aber es gibt so viel, worüber H. stolpert.

Heute zum Beispiel wollte er sich aus dem Bücherregal ein Buch vom geschätzten Josef Winkler holen,da fiel der Blick auf Gabriele Wohmann. Sie ist eine Autorin, die in den 60er bis 80er Jahren sehr viel publizierte: Erzählungen, Romane, Hörspiele, Lyrik u.v.m.

 Bild: Wikipedia

Schon lange bevor sich in den 70ern der Feminismus in der Literatur niederschlug, schrieb sie immer aus weiblicher Sicht. Ihre Geschichten enden meist nicht gut, oder aber lassen alle Enden offen. Als "Wohmannisieren" bezeichnete Reinhard Baumgart die Position, von der aus "die Welt keinen Stoff mehr bietet. Schreibend beschnuppern sie sich nur noch sich selbst und ihr Milieu, erzählen von ihren eigenen Ärzten, Tanten, Krankheiten, Ängsten, Ehe- und Nebenlieben, Alkohol- und Fernsehgenüssen..." Reich-Ranicki lobte sie dagegen über alles: Sie "...gehört zu den besten Erzählern der in den dreißiger Jahren geborenen Generation."

Das Titelbild ist natürlich wie immer damals bei dtv von Celestino Piatti.
Und hier eine kurze Leseprobe.

Samstag, 22. Januar 2022

Tag 672 und Zwangarbeiterlager Neuaubing

Von Freund Alex erschien gestern sein langer Artikel über das Zwangsarbeiterlager Neuaubing. Abgesehen von der Lagerbeschreibung hatte er viel Zeit darauf verwendet, Nachkommen der ehemaligen Lagerinsassen in Italien zu treffen.

Da alles in der SZ wieder der Anmeldepflicht unterliegt, gibt es keinen Link, sondern den Titel des Artikels. Online ist er in mehrere Teile gesplittet: "Departure Neuaubing" - Ein Erinnerungsort für die Zwangsarbeiter der Nazi-Zeit


Das Zwangsarbeiterlager befindet sich am linken Bildrand in der Mitte. Daran schließt sich die "Dornier-Siedlung" schmetterlingsflügelförmig an: Nationalsozialistische Wohnbauten für die Arbeiter der benachbarten Dornier-Werke. Es wurde nur eine Hälfte fertig, der rechte Flügel wurde später bebaut. In der Mitte der Gößweinsteinsplatz als Versammlungs- und Kultort der NSDAP.

(Am linken oberen Bildrand ein Teil von H.s ehemaliger Schulanlage.)

Ein Artikel bei Wikipedia über das Lager

Das Lager auf den Seiten des NS-Dokuzentrums München

Freitag, 21. Januar 2022

Tag 671 und drei Gedenken


Anlässlich des 20. Januar 2022 drei Gedenken:


Donnerstag, 20. Januar 2022

Tag 670 und 80 Jahre Wannseekonferenz

Heute vor 80 Jahren trafen sich 15 hochgestellte Regierungs- und SS-Vertreter und eine Sekretärin in einer Villa am Wannsee, um den Holocaust, der schon lange begonnen hatte, zu organisieren und zu koordinieren. Anschließend gab es ein Frühstück.

Eingeladen hatte Heydrich, der von Göring ein halbes Jahr zuvor zur Endlösung der Judenfrage beauftragt worden war.

Exakte Listen waren vorhanden, deutsche Beamte arbeiten ja von jeher gründlich.

6 Millionen haben sie geschafft.

Wer von uns hat je im Geschichtsunterricht davon gehört? Erst mit "Schindlers Liste" kam die Ausrottung der jüdischen Bevölkerung ins deutsche Bewusstsein.

Heute ist die ehemalige Villa Marlier am Wannsee eine Holocaust-Gedenkstätte.

In der ZDF-Mediathek sind zwei hervorragende Filme abzurufen, ein Spielfilm und eine Dokumentation. Die Wannseekonferenz und Die Wannseekonferenz - eine Dokumentation.

Mittwoch, 19. Januar 2022

Tag 669 und Gedanken, die umtreiben

H. verspürt zum ersten Mal seit den späten 70er Jahren wieder ein diffuses Gefühl, das in Richtung Kriegsangst geht. Beim Jugoslawienkrieg in der ersten Hälfte der 90er stand Rußland zwar moralisch hinter Serbien, aber es hatte viele eigene Probleme, die es beschäftigten. Die hat es zwar jetzt auch, aber sie werden mit Kriegsdrohungen überlagert.

 Der rechtextreme Richter Jens Maier darf in Sachsen wieder Richter werden. Das von der Grünen Katja Meier geführte Justizministerium hält sich bedeckt. Man kann sich schwer des Gedankens erwehren, dass das Ministerium Teil des Rechtsextremismusproblems in Sachsen ist (siehe dazu das Interview in der taz mit dem Rechtswissenschafter Alexander Fischer-Lescano). Auch das dortige Innenministerium könnte man sich einmal anschauen.

Dann noch das mit dem Autoverkehr. Am Morgen ist vor der Bäckerei alles vollgeparkt, bis hin vor die Ladentür. Die meisten Kunden haben weniger als einen Kilometer bis zum Bäcker.
Gestern war H. wieder in der Maxvorstadt, mit dem Rad. Neben dem Radweg an der Allacher Straße tobte der Verkehr. Eine Person in einem Fahrzeug, rund die Hälfte davon SUVs. Auch bei den Elektrofahrzeugen nimmt der SUV-Anteil zu. Je näher man der Innenstadt kam, desto höher wurde der Anteil an auswärtigen Kennzeichen. Und als Radler muss man höllisch aufpassen. Kann einer mal nicht überholen, wo kein Radweg ist, wird man sehr leicht angehupt.

Das wird nichts mehr mit dem Klimawandel. Es heißt zwar immer "die Großen ...", aber viele Kleine sind auch sehr groß.

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Am Schluss wenigstens was Lustiges: Der heutige Tom