Sonntag, 4. Dezember 2022

Tag 986 mit Corona (Tag 282 des Krieges) und: Herbsttag

In der Gräue aufgestanden.

Sudoku der ZEIT überraschend schnell gelöst.

Blumen gegossen und den herunter geworfenen Kaktus neu eingepflanzt.

Nachbarspuschelkatzen versorgt, sie sind zu dritt.
Heute kommen die Mitbewohner:innen wieder.

Bei der Verwandten zum 2. Adventskaffee eingeladen.

Draußen immer noch grau, auch kalt und klamm.

Wie ergeht es den Obdachlosen, den Bettlern auf der Straße?

R.M. Rilke - Herbsttag

die letzte Strophe:

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. 

 

 

Wenigstens der Abendimbiß war bunt.
Dann kam die Einladung für morgen zum Kaffee bei den Puschelbesitzern.



Und dann jährt sich heute auch noch der Todestag von Frank Zappa zum 29. Mal. H. kommt nicht mehr nach mit den Nachrufen. Nächstes Jahr, zum 30., versprochen, Frank!

Samstag, 3. Dezember 2022

Tag 985 mit Corona (Tag 281 des Krieges) und Schulleitersfreundin Nachtrag

Die Schulleiterfreundin hatte sich vor Tagen zu den Anstellungsbedingungen der Seiteneinsteiger:innen geäußert. Jetzt schob sie einen Zeitungsartikel nach, der ihre Erfahrungen untermauert.

Süddeutsche Zeitung, 25.11.2022, S. R08

Hilfslehrer warten seit Monaten auf ihr Geld 

Weil in diesem Jahr wegen der Geflüchteten aus der Ukraine besonders viele externe Kräfte für Schulen angeworben worden sind, verzögert sich in vielen Fällen die Fertigstellung der Arbeitsverträge Landkreis München – Peter Müller geht zur Zeit etwas genervt in die Arbeit. Seit dem Schulbeginn am 13. September unterrichtet der Sozialpädagoge als sogenannte Drittkraft an einer Mittelschule im Landkreis München, er ist Hilfslehrer in einer der Brückenklassen für aus der Ukraine geflüchtete Kinder. Peter Müller heißt in Wirklichkeit anders, möchte seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen. Die Arbeit mit den Schülern macht ihm viel Freude, doch die Umstände ärgern ihn, denn bis vorigen Donnerstagabend hat er noch kein Gehalt für seine Arbeit erhalten. Auch einen Arbeitsvertrag hält er noch nicht in Händen. Und er ist nicht der einzige. Mehrere der externen Lehrkräfte, die in diesem Schuljahr an den Schulen im Landkreis München eingesetzt sind, warten noch auf ihren Arbeitsvertrag, haben diesen erst mit Verzögerung erhalten oder ihr Gehalt steht noch aus. Für die Betroffenen ist diese Unsicherheit ein Problem. „Ich halte diesen Zustand für untragbar“, sagt Müller. Gerade für aus der Ukraine geflüchtete Kolleginnen sei das Ausbleiben des Gehalts finanziell schwer zu stemmen. Wer bezahlt die Miete, wer die Krankenkasse? Ursula Löwe, Direktorin des Staatlichen Schulamts im Landkreis München, das für die Grund- und Mittelschulen zuständig ist, bestätigt die Verzögerungen. „Es ist richtig, dass noch nicht alle Drittkräfte ihren Arbeitsvertrag haben, ebenso haben andere externe Kräfte noch keinen Arbeitsvertrag“, sagt Löwe. Am Gymnasium Neubiberg hätten die zwei Frauen, die in der Brückenklasse die ukrainischen Schüler unterrichten, ihr Geld erst mit Verzögerung erhalten, berichtet Ulrike Gillhaus-Westphal, die dort Mitglied der Schulleitung ist.
Eine erhielt im Oktober eine Abschlagszahlung
für September und Oktober, die andere, die auch in der Brückenklasse am Gymnasium Ottobrunnn unterrichtet, hat ihr Gehalt vor kurzem bekommen.
Gillhaus-Westphal spricht von einem „sehr
großen bürokratischen Aufwand“, der auf dem Weg zu einem Vertrag anfällt. Für eine Einstellung müssen die Bewerber zahlreiche Unterlagen einreichen. Das Personal in Brückenklassen etwa braucht ein erweitertes Führungszeugnis und einen Masernschutznachweis, wie auf der Homepage des Bayerischen Landesamts für Schule nachzulesen ist, das für die Arbeitsverträge mit den befristeten Lehrkräften an Realschulen, Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsoberschulen zuständig ist. Gillhaus-Westphal zeigt aber auch Verständnis für diesen Aufwand – die Unterlagen seien alle wichtig.
Die Situation ist für alle Seiten eine
Herausforderung. Allein im Bereich des Schulamts im Landkreis München geht es um etwa 200 Menschen, die in diesem Schuljahr als befristete Zusatzlehrkräfte in verschiedenen Bereichen eingesetzt sind und für die es einen Arbeitsvertrag braucht. Bis ein Arbeitsvertrag ausgehändigt wird, sind zahlreiche Stellen beteiligt: Ansprechpartner für die Kräfte an Grund- und Mittelschulen ist zwar das Schulamt, die Verträge aber erstellt die Regierung von Oberbayern, nach eingehender Prüfung der umfangreichen Unterlagen. Das Geld kommt schließlich vom Landesamt für Finanzen.
„Ich kann nur bestätigen, dass sowohl
Regierung als auch Landesamt für Finanzen seit Monaten Mehrarbeit und Überstunden schieben, um der Masse an Anträgen zu externem Personal Herr zu werden“, sagt Schulamtsdirektorin Löwe. Doch die Prozesse sind komplex und dauern. Die Bewerbungsunterlagen umfassen laut der Schulamtsdirektorin bis zu 50 Seiten. Dazu zählt auch die Frage, wie eine Zusatzlehrkraft tariflich einzugruppieren ist. Hat sie eine pädagogische Ausbildung, schon Erfahrung im Unterrichten? Ist sie in Deutschland oder in einem anderen Land ausgebildet  worden? Ein Arbeitsvertrag gilt jeweils für das Schuljahr, wer einen befristeten Vertrag hat, muss sich im kommenden Schuljahr neu bewerben. Auch eine Kraft, die nur zwei Stunden in der Woche arbeitet, muss alle Unterlagen einreichen. Im Schulamt bearbeite man die Anträge „in der Regel zeitnah“, sagt Löwe, man erhalte aber auch oft unzuverlässig und mit Verspätung Formulare von Bewerbern zurück und könne diese dann auch nur mit Verzögerung weiterleiten an die Regierung von Oberbayern.

Das Schulamt bekomme von der Behörde viel Unterstützung. Das Landesamt für Schule, zuständig für die Arbeitsverträge mit den befristeten Lehrkräften an Realschulen, Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsoberschulen, führt die Verzögerungen auf die Menge an Anträgen und Mängel bei den eingereichten Unterlagen zurück. „Die Masse von zum Schuljahresbeginn zu erstellenden Arbeitsverträgen stellt jedes Jahr eine große Herausforderung dar“, sagt Direktorin Karin Vedder. Gegebenenfalls längere Bearbeitungszeiten resultierten in ihrer Behörde aber überwiegend aus „unvollständig oder spät eingereichten Unterlagen“, sagt sie. Anträge der Schulen auf Einstellung von Lehrkräften könnten grundsätzlich nur dann bearbeitet werden, wenn die benötigten Unterlagen vollständig vorlägen. Die Einstellungsverfahren der Lehrkräfte, die die erforderlichen Unterlagen eingereicht haben, seien vom Landesamt aktuell alle bearbeitet. Wie viel Arbeit mit all den neuen Kräften für die Verwaltungsbehörden verbunden ist, verdeutlicht auch Wolfgang Rupp, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern. Seine Behörde habe seit Beginn des Schuljahrs insgesamt etwa 2500 individuelle Arbeitsverträge für Lehrkräfte mit unterschiedlicher Qualifikation, mit unterschiedlichen Zeitanteilen für alle Schularten und für unterschiedliche Aufgabenbereiche zu erstellen gehabt. Wegen der Vielfalt der Fälle müsse besonders im Hinblick auf die tarifliche Eingruppierung und damit die Vergütung jeder Einzelfall genauer geprüft werden als bei Standardfällen erforderlich. Größtenteils hätten Bewerberinnern und Bewerber ihren Wunsch für eine solche Tätigkeit erst kurzfristig und nach Schuljahresbeginn geäußert. Auch hätten sich dieses Jahr außerordentlich viele um eine solche Anstellung beworben. Rupp spricht von der vierfachen Zahl im Vergleich zu  Höchstständen der vergangenen Jahre. Zusätzliches Personal habe die Regierung dafür nicht  bekommen. Vor diesem Hintergrund wehrt Rupp sich gegen den Vorwurf, die Bearbeitungszeiten seien unvertretbar lange gewesen. Man habe darauf geachtet, die Anträge nach der Reihenfolge ihres Eingangs zu bearbeiten. Von den etwa 2500 Beschäftigungsverhältnissen, die seit Schuljahresbeginn angetreten wurden, habe die Regierung mittlerweile etwa 2200 Fälle abgearbeitet. Die noch offenen 300 Fälle könnten „in den kommenden Tagen“ ebenfalls abgeschlossen werden, gibt Rupp sich zuversichtlich. Sobald ein Vertrag geschlossen sei, werde das Landesamt für Finanzen „tagesaktuell“ informiert, damit eine Abschlagszahlung veranlasst werden kann. „Ich glaube, dass die Regierung und  das Schulamt viel zu tun haben, aber was sollen wir machen?“, sagt eine Kollegin von Müller, die ebenfalls in einer Brückenklasse arbeitet. Sie zeigt sich enttäuscht über die aus ihrer Sicht mangelnde Kommunikation der Behörde mit den externen Kräften. Umgruppierungen bei der Besoldung vom vergangenen Schuljahr zum jetzigen seien etwa nicht angekündigt oder erläutert worden. „Ich mache die Arbeit hier für die Kinder“, sagt sie, daher werde sie diese auch fortführen. „Aber so ein Umgang ist nicht in Ordnung.“
Peter Müller hat inzwischen Hoffnung. Auf
seine Nachfrage hin hat er Anfang der Woche von einer Mitarbeiterin der Regierung von Oberbayern den Hinweis erhalten, dass seine Unterlagen vollständig vorlägen und sein Vertrag, befristet bis zum Ende des Schuljahres, nun erstellt werde. Nun, hofft er, dass auch der Auszahlung des Gehalts nichts mehr im Wege steht. „Ich wüsste aber nicht, wo ich wäre, wenn ich nicht ständig nachgefragt hätte“, sagt er. DANIELA BODE, IRMENGARD GNAU 

Freitag, 2. Dezember 2022

Tag 984 mit Corona (Tag 280 des Krieges) und: Christine McVie (née Perfect) †

Fast jede Woche stirbt eine/r der kreativen Musiker:innen der 60er Jahre. Nicht über jede/n wird hier geschrieben. Über Christine McVie sehr wohl.

 Bis 1969 war sie Keyboarderin von Chicken Shack (wunderbar diese Doppelkonzerte mit Fleetwood Mac im Circus Krone).

 

 

 

 

 Links mit Chicken Shack 1969, oben mit Fleetwood Mac 1970

 Dann heiratete sie den Bassisten von Fleetwood Mac, John McVie und zog in den 70ern mit der Band in die USA. Von da ab war es vorbei mit dem Blues. Ab Mitte der 70er wurde Fleetwood Mac zu einer Mainstream-Band, Pop, wohl auch edel.

Nicht vergessen sind jedoch von den Fans der  ersten Stunde ihre Stimme und ihr Orgelspiel zu Beginn ihrer Karriere.

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Tag 983 mit Corona (Tag 279 des Krieges) und: 30 Jahre Lichterkette - Pressekonferenz bei Bellevue

Münchens hellster Verein, feiert ein Jahr lang: Die Lichterkette München gründete sich am 6.12.1992 aus Anlass der Pogrome gegen Asylbewerber und Mitmenschen ausländischer Herkunft. Für die Feier zum 30jährigen Bestehen war der Auftakt heute, am 1.12.2022, die Pressekonferenz mit Oberbürgermeister Dieter Reiter bei Bellevue di Monaco, moderiert von Radoslav Ganev, dem Geschäftsführer der Lichterkette.


 

Peter Probst, links, Vorstandsmitglied, seit 1992 dabei und Ob Reiter sprachen darüber, warum heute nach 30 Jahren die Lichterkette wichtiger denn je sei.


 

 

 

 

Max Mäckler berichtete von seinen Erfahrungen und Gefühlen, als er Spots mit von Rassismus Betroffenen drehte.

Queen Lizzy und Feriha Ipek Akti erzählten vom Alltagsrassismus in U- und S-Bahn, Bussen und Trambahnen. Wie geht man damit als Betroffene um, wie kann man sich wehren, wie können sich dabei Anwesende verhalten?

Von links: Peter Probst, Max Mäckler, Queen Lizzy, OB Reiter, Radoslav Ganev, Feriha Ipek Akti. Bild Ch. v. Preyss. Ganz links im Bild die Schnauze des Lighthouse Mobil.

Es wird weiter berichtet werden.

Was H.s Meinung nach zu kurz kam: Was macht die Lichterkette heute?

Wer es wissen will: Hier.

Mittwoch, 30. November 2022

Tag 982 mit Corona (Tag 278 des Krieges) und: Der Schulleiterfreundin Unverstehen

Die Schulleiterfreundin ist weiterhin außer sich. Sie schreibt:

Organisiertes Chaos (Bildquelle: piqs.de)

"Am Wochenende muss in der SZ oder anderswo eine Stellungnahme der Regierung über die befristeten Verträge für Lehrkräfte gestanden haben. Ich habe die Zeitung, habe die Stellungnahme aber nicht gefunden. Habe alles erfolglos durchgefieselt. Da stand sinngemäß drin, dass die sehr umfangreichen Unterlagen viel Zeit für die Bearbeitung durch die Regierung in Anspruch nehmen.
Stimmt. Die Armen!
Warum müssen Leute mit Jahresverträgen jedes Jahr eine neue Bewerbung mit Lebenslauf und 20 Seiten sonstiger Angaben ausfüllen? Immer den gleichen Schmarrn? Oder glaubt jemand, dass sich jedes Jahr die Angaben grundlegend ändern? Es gäbe ja auch die Möglichkeit eines "Folgeantrags": 'Hat sich gegenüber der letzten Antragstellung nichts verändert, fahren Sie bitte auf Seite xx weiter.'
Dann verstieg man sich noch zur unverschämten Aussage, dass die verspätete Bearbeitung jedoch hauptsächlich durch die unvollständige und verspätete Abgabe der Unterlagen durch die Bewerber zurückzuführen sei.
Ich bin im Juni/Juli 22 mit den Kandidaten die Vollständigkeit der Unterlagen durchgegangen, habe verbessert und ergänzt. Sofort nachdem die wie immer leicht veränderten Unterlagen im Internet zur Verfügung standen. So wie immer in den letzten Jahren. Dann haben wir die verlangte digitale Fassung ausgedruckt. Alles von der Schule aus digital versandt und eine schriftliche Form ans Schulamt (das war nicht verlangt, dient aber dem Nachweis) geschickt. Was denn noch?
Übrigens gab es keinen verbindlichen Abgabetermin. Vielleicht ein Jahr im Voraus? Das geht auch nicht, denn schlauerweise werden die Verträge immer ein kleines bisschen verändert und sei es nur im Format. Es kann natürlich sein, dass ich selber zu blöd bin. Vielleicht soll das aufgebauschte Bewerberprogramm der Abschreckung dienen und man will in Wirklichkeit gar keine zusätzlichen Lehrer. Dann kann man mit weinerlicher Stimme weiter klagen, dass sich keine neuen Leute finden lassen. Perfekt!"

Dienstag, 29. November 2022

Tag 981 mit Corona (Tag 277 des Krieges) und: Der Deutsche Ethikrat setzt sich für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein

Gestern veröffentlichte der Deutsche Ethikrat eine sog. Ad-hoc-Empfehlung „Pandemie und psychische Gesundheit. Aufmerksamkeit, Beistand und Unterstützung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in und nach gesellschaftlichen Krisen“.

v.l.: Stephan Rixen, Petra Bahr, Alena Buyx (Vorsitzende) Bild: Deutscher Ethikrat

Der Rat kritisiert, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene während der Pandemie allein gelassen wurden. Kita- und Schul- und Unischließungen seien leicht zu bewerkstelligen gewesen, was aber gefehlt habe, seien flankierende Maßnahmen gewesen.

In Zukunft müsse darauf geachtet werden, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in gesellschaftlichen Krisen nicht wieder als Erste oder in weit überwiegendem Umfang die Lasten der Krisenbewältigung tragen müssen. Kinder, Schüler:innen und Stdierende seien enorm und einseitig in ihrer Lebensentfaltung beschränkt werden.

Jüngere hätten Solidarität bei der Vermeidung von Corona-Ansteckungen gezeigt, aber auf ihre Nöte und Bedürfnisse sei in keiner Weise entsprechend eingegangen worden, auch nicht vom Deutschen Ethikrat, merkt Alena Buyx in einem Interview an. Das soziale Leben, die vielfältigen Freizeitbeschäftigungen und -vergnügen hätten drei Jahre lang brach gelegen. In vielen Familien sei es zu Gewaltausbrüchen gekommen.

Der Ethikrat hat natürlich auch Forderungen und Ratschläge parat (Quelle: Dt. Ethikrat).

1. Niedrigschwellige und flächendeckende schulpsychologische Angebote bzw. psychosoziale
Unterstützungsangebote, z. B. durch qualifizierte Schulsozialarbeit, sollten gestärkt und in
den Schulalltag und das Schulkollegium als Regelangebot integriert werden.

2. Die Arbeitsfähigkeit von Einrichtungen, die Diagnostik, Beratungsangebote, Heilbehandlungen
und Hilfen zur Teilhabe für Kinder und Jugendliche, aber auch Hilfen für Eltern und Familien
sollten durch eine verlässliche Finanzierung gestärkt werden.

3. Nötig sind Informationskampagnen, die in nicht stigmatisierender Weise und kultursensibel über
Beratungs- und sonstige Hilfsangebote aufklären
, psychische Gesundheit und Krankheit zum Thema machen sowie niedrigschwellige Zugänge zu Beratungs- und Hilfsangeboten aufzeigen.

4. Bestehende Hilfsangebote sollten, soweit dies noch nicht verlässlich geschieht, um umfangreiche, kostenfreie Freizeitangebote ergänzt werden, die sich insbesondere an Kinder in Risikolagen bzw. mit multiplen Problemlagen richten.

5. Es empfiehlt sich, die im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich tätigen Personen, die kontinuierlich Alltagskontakte zu Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben, im
Hinblick auf die Prävention psychischer Belastungen und Erkrankungen spezifisch zu schulen.

6. Es sollten zeitnah konkrete Pläne vorgelegt werden, wie bestehende Versorgungsdefizite behoben,
also mehr therapeutisches Personal gewonnen werden kann 

 
 7. Die vorhandenen Angebote von der Prävention über Beratung und Begleitung bis hin zur Behandlung und Nachsorge müssen in der jeweiligen Region stringent auf- und ausgebaut, stärker miteinander verknüpft sowie regelmäßig evaluiert und weiterentwickelt werden.

8. Alle Beratungs- und Hilfsangebote in den Bereichen Schule, Hochschule, Gesundheitswesen sowie Kinder- und Jugendhilfe sollten konsequent systemisch ausgestaltet und dabei die wesentlichen Lebensweltbezüge (z. B. der Familie) einbezogen werden.

9. Die Forschung über die Folgen von Maßnahmen zur Bewältigung gesellschaftlicher Krisen (nicht
nur von Pandemien) sollte gefördert werden.

10. Es muss sichergestellt werden, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in gesellschaftlichen Krisen nicht wieder als erste bzw. in weit überwiegendem Umfang die Lasten der Krisenbewältigung tragen müssen, sondern mit allen Kräften geschützt werden.

11. Die Gesellschaft schuldet Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen für diese Solidaritätsleitung großen Dank und Respekt. Dies verpflichtet zu konkretem Handeln.

Das sind natürlich nur die Schlagzeilen. Genaueres auf den Seiten des Ethikrates. Und es ist ganz schön viel. Aber ein Staat, der 100 Milliarden für Aufrüstung aus dem Ärmel schüttelt ...

Montag, 28. November 2022

Tag 980 mit Corona (Tag 276 des Krieges) und Blogparade: Stoff in der Haupt-, nein Mittelschule

Der geschätzte Bob Blume ruft zu einer Blogparade (wie schön!). Hier die Antworten der Schulleiterfreundin, an die die Fragen weiter gereicht wurden.

Bildquelle: piqs.de

  • Wie steht ihr zum Unterrichtsstoff?

Unterrichtsstoff müsste in der Mittelschule in den Lehrplänen umfangmäßig unbedingt reduziert werden. Lehrkräfte sollte flexibel abgestimmt auf die Klasse damit individueller umgehen können. Schließlich wird der Anteil von Inklusionsschüler:innen (Lernprobleme) in der Mittelschule immer größer. Selbstverständlich hat das auch Auswirkungen auf das Lernverhalten der Regelschüler in der Klasse.

Das bedeutet: weniger Pflicht, mehr fakultativ! Lehrer wissen sehr wohl, was sie speziell von ihren Schülern verlangen können.

Besonders in den 5. und 6. Klassen treten eklatante Lücken zutage. Die Grundschulen versuchen möglichst viele Schüler in die Realschulen und Gymnasien zu schaufeln. Kinder, die langsamer oder weniger begabt sind, fallen hinten runter. Neben dem Frust in der Mittelschule gelandet zu sein, zeigt sich, dass manche Kinder den Erstleseprozess noch nicht abgeschlossen haben. Auch mathematische Fertigkeiten wie das kleine Einmaleins, schriftliches Subtrahieren, schriftliches Multiplizieren und vor allem Dividieren fallen äußerst schwer. Die ersten beiden Jahre in der Mittelschule sind ausgefüllt mit dem Aufbau von Selbstbewusstsein und beheben der Lücken. Vor allem das sinnentnehmende Lesen fällt vielen SchülerInnen bis in die Abschlussklassen schwer. Frustrierend: Wir bilden funktionale Analphabeten aus. Immerhin gibt es statistisch gesehen nahezu 7 Millionen funktionale Analphabeten (mit Schulbesuch und Abschluss) in Deutschland. Daher ist es enorm wichtig diese Lücken aufzufüllen.

Der Stoff wurde seit Anbeginn von H.s und der Schulleiterfreundins Lehrerdasein immer mehr reduziert und zusammengestrichen, natürlich um Stunden bzw. Lehrerstellen einzusparen. So wurden die Fächer Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde zu einem Fach GSE verschmolzen, was keine tiefere Wissensvermittlung mehr ermöglichte. Ebenso passierte es mit den Fächern Physik/Chemie und Biologie. Daraus wurde PCB. Mittlerweile sind die Fächer schon wieder umbenannt, möglicherweise sind die Stunden nochmals reduziert. Vor vielen Jahren gab es das Fach "Erziehungskunde", welches ersatzlos wegfiel. So lassen sich mit einem Strich Tausende Lehrerstellen einsparen.

  • Wie ist das Verhältnis zwischen Unterrichtstoff und Zeit?
Das ist eine einfache Rechnung: je mehr Stoff umso weniger Zeit für Einzelheiten. Das führt oft dazu, dass nach der Einführung von neuem Stoff zu wenig Zeit zum Festigen und Üben zur Verfügung steht. In Mathematik wird beispielsweise eingeführt: 4x5 bedeutet 5+5+5+5. So rechnen auch noch viele Fünftklässler. Das Einmaleins ist nicht automatisiert. Dafür fehlt die Zeit.
  • Wie ist das Verhältnis zwischen Unterrichtsstoff und Kompetenzen?

Es gab in den letzten Jahren schon viele spezielle, nette Fachbegriffe: Ressourcensonne, Modularisierung und nun Kompetenz. Irgendwann verschwinden sie sang- und klanglos.

"Der LehrplanPLUS versteht eine Kompetenz als fachspezifische und überfachliche Fähigkeit, die Wissen und Fertigkeiten miteinander verbindet und die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt, zu verstehen, zu reflektieren, schlüssig zu argumentieren, fundiert zu urteilen und neue Anforderungen zu bewältigen." Wow. Beim Lesen dieser Anforderungen bekommt so manche Lehrkraft weiche Knie. Es gibt wohl viele Erwachsene, die diese Kompetenzen auch nicht beherrschen. Sind wir somit auf dem Weg in eine neue Zukunft? Der Begriff Kompetenz ist bewusst allgemein gehalten, auch in dieser Definition aus dem Lehrplan. Der Lehrer füllt ihn mit Inhalt.

  • Welcher „Stoff“ müsste weg? Aus welchen Gründen?

Solche Überlegungen sind gefährlich: Gestrichen wird schon seit Jahren aus Einspargründen (s.o.). Ganze Fächer verschwinden. Aufgrund des selbstverschuldeten Lehrermangels werden Musik und Kunst gestrichen. Dabei sind diese Fächer so wichtig. Sie helfen das Selbstbewusstsein eines Kindes aufzubauen, das in der ständigen Überforderung und der ständigen Konfrontation mit Mängeln erleben könnte auch etwas zu schaffen und zu können.

Kunst fördert die Kreativität. Natürlich nicht nur Kunst. Kreativität u.a. ist die Fähigkeit aus Erlerntem Neues zu schaffen. Eigentlich würde das wunderbar in den Kompetenzkatalog passen. Der Kreativitätsbegriff ist auch entschwunden. Sind kreative Menschen vielleicht unbequem?

  • Welcher „Stoff“ müsste dazukommen? Aus welchen Gründen?

Gerade nach Corona wurden viele soziale Defizite auffällig. Aggressionsfreie Sprache, faires Verhalten, um in einer Gemeinschaft zusammenzuleben, fällt vielen Kindern und Jugendlichen immer schwerer. Auch der Umgang mit Social Media. Da sind viele Erwachsene auch ziemlich schwach. In der heutigen Zeit muss man jedoch damit umgehen können.

  • Wo passt der „Stoff“ überhaupt nicht zu Stufe?

Die Behandlung des Nationalsozialismus ist schon vor Jahren in die 8. Jahrgangsstufe gerutscht. Dort fristet er nicht nur ein geschrumpftes und kärgliches Dasein, er stellt auch oft eine psychische Überforderung von 14jährigen SchülerInnen dar. Aufgrund der Möglichkeit einer verfrühten Einschulung sind auch schon 13Jährige in der 8. Jahrgangsstufe.

  • Und welche Frage möchte ich zum Thema noch beantworten, die hier nicht gestellt worden ist.

Die Lehrerausbildung hat sich in den letzten 40 Jahren kaum verändert. Das ist gruselig. Junge Leute werden wenig auf den Schulalltag vorbereitet. Schüler mit Migrationshintergrund und mangelnden Deutschkenntnissen, Inklusion auf den verschiedensten Gebieten, schwierige Eltern, verschiedenste Verhaltensauffälligkeiten und Probleme. Nach der 1. Staatsprüfung werden die Leute ins kalte Wasser geschmissen.

Angst, dass die Leute scheitern und die Flucht ergreifen, wenn sie die Realität vorher wüssten, ist unbegründet. Als LehrerInnen wollen überwiegend Menschen mit sozialen Kompetenzen und viel Idealismus  den Beruf eines Mittelschullehrers ergreifen. Wenn man sie vorbereiten würde, wären sie mit viel Engagement und Freude bei der Sache.