17. Oktober 2016

Hitler-Geburtshaus abreißen?


Der österreichische Innenminister will das Hitler-Geburtshaus in Braunau abreißen lassen. Aus Angst, es könnte eine Gedenkstätte für Menschen mit rechtem bis nationalsozialistischem Gedankengut werden.
Ausgerechnet die österreichische Regierung macht sich darüber Sorgen, ausgerechnet die.
Hauptschulblues ist in der Nähe von Braunau aufgewachsen und hat seine freie und Partyzeit in Braunau verbracht, oft auch die Mittagspause der Schule.
Nie war das Haus in Gefahr, eine Gedenkstätte zu werden. Sicher waren ab und an Nazis zu Besuch, aber in verschwindend geringer Zahl und selten.
Skiba, ein rühriger und allgemein anerkannter Bürgermeister der Stadt, ließ einen Gedenkstein davor aufstellen, aus Mauthausener Marmor.



(alle Bilder Wikipedia)
Am 2. Mai 1945, kurz vor der Kapitulation der 3. Reichs, versuchten deutsche Soldaten das Haus zu sprengen, was aber von amerikanischen Soldaten verhindert wurde.
Später war das Gebäude Stadtbücherei, Dependance der HTL Braunau, dann war viele Jahre die Lebenshilfe Braunau Mieterin (für 5000.- € monatlich).
Als die Lebenshilfe auszog, wurde heftig über die Nutzung diskutiert. Die Hausbesitzerin wurde enteignet. Jetzt kommt die österreichische Regierung mit der befürchteten Lösung.
Sollen etwa der Münchner Königsplatz und Teile der Arcisstraße auch abgerissen werden?
Es hätte der Republik Österreich gut gestanden, aus dem Haus ein Dokumentationszentrum oder eine Gedenkstätte des Austrofaschismus zu machen.
Aber 76 Jahre nach dem Anschluss Österreichs (über die Braunauer Innbrücke) begreift sich die Republik immer noch als Opfer, trotz 250 000 jubelnder Bürger auf dem Heldenplatz in Wien und beträchtlicher Teile der restlichen Bevölkerung.
Wie lange kann man etwas aufarbeiten?
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Nachtrag 19.10.2016: Mittlerweile gibt es offensichtlich so starken Gegenwind zu den Abrissplänen, dass jetzt von einem "Umbau" gesprochen wird. In diesem Teil der Salzburger Vorstadt, in dem sich das Haus befindet, stehen allerdings nur alte Häuser ...

1 Kommentar:

  1. Offensichtlich möchte man die Nazizeit gern vergessen. Oder sollte man sagen - verdrängen? In den Schulgeschichtsbüchern wird diese Zeit immer mehr zusammengefasst und immer oberflächlicher behandelt. Für Jugendliche liegt das sowieso unfassbar lange zurück. Kritisches Denken ist nicht mehr gefragt. Dumpes Mitläufertum ist wieder angesagt. Da der Rechtsruck überall in Europa deutlich sichtbar ist, muss man ganz bestimmt nicht erst nach Braunau reisen, man muss sich nur im eigenen Wohnort umschauen.

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