Freitag, 5. Juni 2020

Gastbeitrag 2 der Schulleiterfreundin

Hier ist der zweite Gastbeitrag der Schulleiterfreundin:

Ein Blues schlechthin.
(Nicht ohne Grund hat H. seinen Blog im Jahr 2010 "Hauptschulblues" genannt.)

Lieber Hauptschulblues,

heute nach Schulschluss kam der Klassenlehrer einer x. Klasse mit dem Schüler B. im Schlepptau. Dieser lugte trotzig hinter seiner Maske hervor. Mitgebracht hatten die beiden eine Anmeldung zur Notfallbetreuung.
Warum denn das? Die Schüler haben doch bereits Schichtunterricht.
Der Klassenlehrer konnte das schlüssig begründen.
B. hatte während der Schulschließung so gut wie nichts gemacht und war gänzlich untergetaucht. Er hatte nicht einmal seine Schulbücher mit heim genommen. Die alleinerziehende Mutter hat noch ein jüngeres Kind, das in der Notfallbetreuung war und auch recht fleißig die gestellten Aufgaben erledigt hatte. Da war ihr gar nicht aufgefallen, dass ihr älterer Sohn sich abgeseilt hatte. Der Lehrer wollte mit B. über den Antrag sprechen, zumal für dieses Alter keine Notfallbetreuung vorgesehen ist.
B. meinte, das sei nur für zwei Wochen und komplett "übertrieben". Im Antrag steht aber "bis zum Schuljahresende". Auf B.s Stirn bildete sich eine Zornesfalte.
Ja, was meinen Sie denn? Ich bin das nicht mehr gewohnt. Drei Schulstunden pro Tag reichen, mehr mache ich nicht mit. Dann kann ich mich eine Woche davon erholen.
Wovon? fragte ich interessiert.
Vom Unterricht und von den Lehrern.
So, jetzt wissen wir es.
Er setzte noch nach:
Außerdem habe ich noch etwas Anderes zu tun.
Das Andere bleibt sein Geheimnis. Der Lehrer berichtete, dass B. auffällige Gedächtnislücken aufweise. Vor allem in Mathe ergäben sich schwere Untiefen. Das Lesen sei stockend.
Jetzt brauste B. auf. Das sei alles seine Sache.
Er wollte aufstehen.
Sitzenbleiben! herrschte ich ihn an.
Deine Mutter hat die Notfallbetreuung aus einem mir nachvollziehbaren Grund angefordert. Du bist nächstes Jahr in der 9. Klasse. Wie soll das danach weitergehen? Es passiert genau so, wie sich das deine Mutter vorstellt - bis Schuljahresende. Elternwille!
Der Lehrer ergänzte freudig: Wenn das nicht klappt, verständige ich deine Mutter. Sie soll dir das Handy abnehmen!
Das saß. Wenn Blicke töten könnten, das Lehrpersonal wäre sofort umgefallen ...

Deine Schulleiterfreundin.

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