Mittwoch, 27. Oktober 2021

Tag 594 und wieder eine Hausmeistergeschichte

Er war immer der erste Ansprechpartner, wenn es um Hausangelegenheiten ging. Er hatte sehr viele Kontakte zum Schul- oder Baureferat (eine Sparbüchse für die Schule!), vor allem aufgrund der über Jahre laufenden Generalsanierung der Schule. Die war allerdings abgeschlossen, als H. an die Schule kam, er setzte sich gewissermaßen in`s gemachte Nest.

Für den Hausmeister war die Schule immer die seine. Jeder, der da neu ankam, sollte sich besser seinen Vorstellungen angleichen. Auch H., das erwartete er innerlich.

H. kam immer kurz vor 7 Uhr morgens an der Schule an, je nach Gegenwind (Föhn war das schlimmste Ärgernis).

Bald hatte er herausgefunden, dass der Hausmeister um diese Zeit unterwegs zum Schreibwarengeschäft war, um sich eine Tageszeitung zu holen. Er machte nämlich schon Pause, immerhin war er bereits lange Zeit auf den Beinen.

Zu der Zeit begab es sich, dass H. am Dienstag bis 17 Uhr Schule hatte und keine Lust mehr Abendessen zu kochen. Deswegen wurde wöchentlich an diesem Tag das Lieblingsrestaurant aufgesucht. Dorthin kam jeden Abend eine Zeitungsverkäuferin, die just die Zeitung, die der Hausmeister bevorzugte, anbot. So hatte sie über Jahre wenigstens einen sicheren Abnehmer, weil H. die Zeitung kaufte, um sie am Morgen dem Hausmeister in sein Büro zu legen oder persönlich zu übergeben.

Es kam auch zur Begegnung zwischen dem Hausmeister und der Verkäuferin: H.s und Hausmeisters gingen ab und zu zusammen zu diesem Italiener essen und so konnte er seine Tageszeitung an Ort und Stelle übernehmen.

Es waren die kleinen Dinge, die zueinander führten bzw. die Beziehung verstärkten.

Beide Seiten ließen nichts über die jeweils andere kommen, und wenn Fehler passierten, so wurde versucht, sie auszubessern, ohne Vorwurf.

2 Kommentare:

  1. Ein guter Hausmeister ist Gold wert. Mein Bruder arbeitet in der Verwaltung eines Oberstufengymnasiums und hat das Glück, mit einem sehr umsichtigen Hausmeister zusammenzuarbeiten.

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  2. Ich zeige „meinem „ Hausmeister heute eins meiner Lieblingslokale in Nürnberg.
    Beim letzten Mal hat er gewählt.
    Ich stimme dir also zu.

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