26. Juli 2016

3. Eher Hauptschule als Gymnasium?

Das hängt davon ab.
Ein/e Grundschüler/in (Flüchtlingskind) kann problemlos in die 5. Klasse des Gymnasiums überwechseln, sofern er/sie leistungsbereit und klug genug ist.
Heute beriet ich eine Schülerin der 8. Übergangsklasse, die eine Überfliegerin ist und nach einem halben Jahr in die Regelklasse wechseln wird. Bei ihr wäre ein Wechsel auf Realschule oder Gymnasium fatal. Der Mangel an Fachwortschatz, die zweite Fremdsprache, die Inhalte in den Fächern, das alles fehlt.
Bildergebnis für übergangsklassen für flüchtlinge
Ich zeigte ihr den Weg von der HauptMittelschule bis zur fachgebundenen bzw. allgemeinen Hochschulreife auf. Jetzt ist sie 15 Jahre alt, beschreitet sie den gezeigten Weg, ist sie 20. Vergleichbare Gymnasiasten sind auch so alt inklusive einer Wiederholung.
Sie wäre auf der sicheren Seite ohne Frustration.

25. Juli 2016

2. Das Leistungsgefälle ist riesig

Das stimmt.
In meiner Ü5 sind Kinder bzw. Jugendliche, die noch nicht einmal alphabetisiert sind, weil sie nicht zur Schule gehen konnten.
http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/notizbuch/fluechtlinge-schule-bilanz-102~_v-img__16__9__m_-4423061158a17f4152aef84861ed0243214ae6e7.jpg?version=48914Bild: BR
Abdu (Name geändert) lernt mühsamst schreiben und die Grundrechenarten, sitzt meist in der Klasse und versteht nichts. Er kann nur lernen, wenn jemand neben ihm sitzt, so wie ich zwei Stunden in der Woche, was nicht einmal der Tropfen auf den heißen Stein ist. Er freut sich, wenn ich komme und gibt mir jedes Mal die Hand und sagt auf die Frage, wie es ihm gehe "Gut".
Er ist nicht mehr schulpflichtig. Nächstes Jahr wird er in die Berufsschule müssen - hoffentlich gibt es dort Programme für diese Jugendlichen.

11. Juli 2016

1. Deutsch in einem Jahr?

Eine Illusion, so schreibt DIE ZEIT.
Ja und nein.
Ich habe SchülerInnen erlebt, die ohne Vorkenntnisse innerhalb von sechs Monaten so weit waren, dass sie sich in Deutsch unterhalten können.
In manchen Fächern besuchten sie schon den Regelunterricht und im nächsten Schuljahr werden sie in der Regelklasse sein und schon einen anerkannten deutschen Schulabschluss in der Tasche haben.
Natürlich gibt es auch SchülerInnen, die erst alfabetisiert werden müssen, weil sie in den Kriegsgebieten der Welt keine Schule besuchen konnten.
Es gibt SchülerInnen, die so traumatisiert sind, dass sie sehr schlecht lernen können.

Aber: Allen kann weiter geholfen werden, wenn der Staat die Willkommenskultur nicht nur auf den Lippen vor sich her trägt, sondern auch tief in die Tasche greift.

10. Juli 2016

Flüchtlinge im Schulalltag

Darüber schreibt DIE ZEIT vom 7. Juli 2016 in ihrem Produkt "Chancen":
1. Deutsch in einem Jahr? Eine Illusion
2. Das Leistungsgefälle ist riesig
3. Eher Hauptschule als Gymnasium
4. Lehrer und Schüler sind hoch motiviert
5. Die Schulen haben aus Fehlern gelernt
Ich werde gelegentlich zu diesen Punkten aus meiner Sicht Stellung nehmen.

6. Juli 2016

"Lehrer sind mit traumatisierten Flüchtlingskindern überfordert"

So schreibt die SZ heute.
Es kann auch nicht Aufgabe der Lehrkräfte von Übergangsklassen sein, Traumata zu therapieren.
Lehrkräfte sind in den Übergangsklassen schon allein deswegen überfordert, weil die Klassen viel zu groß sind - weit mehr als 20 Kinder - und weil oft die Ausbildung als Deutsch-als-Zweitsprache-Lehrkraft fehlt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Flüchtlingskinder fast nie über Erlebnisse sprechen wollen.
Sie wollen einen strukturierten Tagesablauf, Ruhe, und sie wollen lernen.
Vor 15 Jahren versteckte sich ein albanischer Junge beim Probefeueralarm auf der Toilette.